„Zwei Hände, die klangen wie sechs“ Nachruf auf Stanley Cowell von Andrian Kreye

Stanley Cowell ist gestorben, Pianist, Komponist, Labelgründer und Wegbereiter jener Phase, die seit einiger Zeit als „Deep Jazz“ gefeiert wird. Stilistisch gehörte er zu jener Generation, die nach den Erneuerungen des Bop und des Free Jazz ihre Instrumente auch handwerklich an ihre Grenzen bringen. 

 Jason Moran, einer der musikalischen Erben Cowells, schrieb am Donnerstag auf Instagram: „Stanley ebnete neue Wege für das Klavier. Oft klangen seine beiden Hände, als wären sie sechs. Das Schlagzeug in der linken Hand, die Streicher oder Gitarre in der Mitte, die Bläser und die Stimme oben, die Kalimba unten.“

Heute gilt Cowell als Vorreiter der Generation um Kamasi Washington

Nach seinem Studium in Detroit arbeitete Cowell zunächst mit Roland Kirk und Marion Brown. 1969 veröffentlichte er mit „Blues for the Vietcong“ das erste von mehr als dreißig Alben unter eigenem Namen. Das Politische blieb ein roter Faden. 1971 gründete er gemeinsam mit dem Trompeter Charles Tolliver in New York das Strata-East Label, das ein Befreiungsschlag gegen die großen Plattenfirmen sein sollte.

© Süddeutsche Zeitung, Kultur, 18.12.2020

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