Mark Fisher hat sich am 13. Januar im Alter von 48 das Leben genommen. Dass er seit seiner Jugend an Depressionen litt, verbarg der britische Kulturwissenschaftler und Kapitalismuskritiker nicht. Im Gegenteil: “Ich benutze mich als eine Art Fallbeispiel dafür, Depression zu verstehen, sie zu depersonalisieren, sie zu politisieren“

 

Mark Fisher, Hartwig Vens: »Wir sind alle Cyborgs«  

Interview mit dem britischen Kulturkritiker Mark Fisher über Chancen zur Wiederbelebung der Linken in Zeiten der Digitalisierung, Depression und Ego-Optimierung
 

KONKRET: Wir sitzen hier in so einer typischen Hotelkettenlobby, wie es sie überall auf der Welt gibt. In der Reflexion über die »langsame Abschaffung der Zukunft«, mit der Ihr neues Buch beginnt, weisen Sie auf die Ausbreitung solcher gesichtsloser Transitzonen hin. Was an diesen Nicht-Orten ist bezeichnend für die Gegenwart?  

Fisher: Wenn es eine Erfahrung des 21. Jahrhunderts gibt, dann die des Nicht-Ortes. Er unterscheidet sich nicht von anderen Orten, hat keine Kennzeichen. Bei der Zeit entwickelt es sich ähnlich. Es wird immer schwieriger, ein Jahr vom anderen zu unterscheiden. Epochen ähneln einander, man bewegt sich durch die Geschichte wie von Flughafen zu Flughafen, von Einkaufscenter zu Einkaufscenter. So wie man irgendwo sein kann, kann man irgendwann sein.

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© Konkret, 16.01.2017

Die Privatisierung der Depression

Mark Fisher, Hauntology und der kapitalistische Realismus

Der Autor Mark Fisher hat den Kampf gegen seine Depression verloren. Indem er seine Depression in einem gesellschaftlichen und politischen Kontext verortete, wurde er zum marxistischen Analytiker der Traurigkeit, zum genialen Kritiker des kapitalistischen Realismus.

Von: Florian Fricke

Was hat Karl Marx mit der aktuellen Popmusik zu tun? Warum ist der Dubstep-Musiker Burial der Edward Hopper der Gegenwart? Warum drohen wir alle zu Jacks zu werden, diesem furchtbar gruseligen Jack aus dem Film „The Shining“, wie ihn Jack Nicholson eindrücklich verkörpert hat? Mark Fisher weiß die Antworten.

Der britische Kulturtheoretiker machte als Weggefährte von Simon Reynolds („Retromania“) mit seinem Blog „k-punk“ auf sich aufmerksam. In seinem Essay „Kapitalistischer Realismus ohne Alternative?“ untersuchte er die Auswirkungen des Neoliberalismus auf Psyche, Schule, Leben und Popkultur. In seinem Buch „Ghosts of my Life“ greift er das von Jaques Derrida eingeführte Phänomen der Hauntology auf. Derrida beschrieb ursprünglich, dass Europa von den Geistern seiner Vergangenheit, dem Marxismus, auch in Zukunft noch heimgesucht werde – denn die sozialen Probleme würden im Kapitalismus eher mehr als weniger.

© Bayern 2, 01.06.2014 / 10.1.2017 /  Foto: By MACBA – https://www.flickr.com/photos/macba/6964424087/in/photolist-bBquDn-q96Jky-pRHAMK-pcbNGS-q6TCXu-pcaJpA-pRzTxJ-v2KNx3-7FNv4F-fQcvc9-uHk3Dw-v3jqRr-s7ffFk-vZcm1F-tixkD5-sqHkrg-draBNK-susUqZ-uf3Yme-xsHftV-tbMNhN-vGG95V-v3jtJF-vGzEvh-vZcysz-rrGuEu-BmC4wJ-rrGuKu-td4SJj-6azoMf-dcrBPk-aRPvSP-zXJpVa-sUpBZ4-vfxL7f-tYW4BK-vGz2kL-vZzTVV-sabXwW-vGzs9f-vGziry-6Eawqp-6EeFKq-6Eax9P-vGyWCG-vGzX1J-v3k7GD-s8gTUh-s8gUdU-draNAu, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45596197

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