Angelschnüre durch die Saiten ziehen, ohne dem Steinway zu schaden: Lyrische Töne der Berliner Klangforscherin Magda Mayas. 

Zuerst ist da das Gefühl, irgendwo im Nirgendwo gelandet zu sein an diesem regnerischen Berliner Samstagabend. Abseits des hippen Mitte-Getümmels mit seinen Cafés und Bars, in einer Wohngegend in Weißensee, findet sich auf einem Hinterhof das Studioboerne45. Hier also treffen sich viele Musiker aus der lebendigen Improvisationsszene der Stadt. Hier nehmen sie auf oder geben ein Konzert.

… Gleich beginnt Accretion – For 3 Pianos and a Pianist, ein Solokonzert von Magda Mayas. „Accretion“ steht für Zuwachs und Klangerweiterung. Auftritt der Pianistin: eine zierliche Gestalt, weißes, weites Hemd, schwarze Hose, barfuß. Tief beugt sie sich in einen der Flügel hinein, schlägt mit einer Hand einzelne Tasten an, präpariert mit der anderen das Innere des Instruments. Einige Saiten bekommen E-Bows, die ein Magnetfeld erzeugen; batteriebetriebene Aufsätze, wie sie zur Klangmanipulation von Gitarren verwendet werden. Es erklingt ein Zen-artiger, sehr ruhiger Ton, der sich fächerförmig im Raum ausbreitet. Mit Kolophonium bestrichene Bambusstäbe, die zwischen den Saiten stecken, modulieren ihn. Es ist eine ätherische Musik, die Konzentration erfordert, von der Musikerin wie vom Publikum: minimale Bewegungen, die Energie verströmen….

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© ZeitOnline, Kultur, 23.3.2020

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