Phill Niblock hat wie kaum ein anderer der vergangenen 50 Jahre Drone-Musik geprägt: in seiner Klangkunst verbinden sich lose Enden Neuer sowie experimenteller Elektronikmusik zu einem der Stichwortgeber für aktuelle Electronica.

Kaskaden mikrotonaler, dicht ineinander verwobener Soundcluster setzen ein Hörerlebnis in Zeitlupentempo frei. Zudem arbeitet Niblock als Fotograf und Filmemacher und hat als Kurator der Experimental Intermedia Foundation zahllose Kunstveranstaltungen organisiert.

Mit 25 Jahren kam Phill Niblock 1958 vom US-amerikanischen Hinterland nach New York, wo er die dortige Jazzszene in Fotos und Filmen porträtierte. Zehn Jahre später wechselte er zur Musik. Seit 1973 leitet er die New Yorker Experimental Intermedia Foundation, die als Veranstaltungsnetzwerk und Veröffentlichungsplattform dient und für die er mehr als 1.000 Konzerte organisiert hat. Die meisten seiner Alben sind auf den Labels XI und Touch herausgekommen. Mit Petr Kotík hat Niblock Werke für Orchester realisiert und er arbeitete u.a. mit Susan Stenger, Reinhold Friedl oder Thomas Ankersmit. 2014 wurde er mit dem John-Cage-Award der New Yorker Foundation for Contemporary Arts ausgezeichnet.

Akusmatische Soundwälle
Unter dem Eindruck von Jazz und Komponisten wie Morton Feldman entwickelte Niblock als Teil der Sonic Arts Union (Gordon Mumma, Alvin Lucier u.a.) mit Band-Maschinen und seit 1985 mit dem Computer eine akusmatische Klangsprache, die von schier endlos langen, stehenden Tönen und ihren minimalen Variationen und Höhenänderungen geprägt ist. Ausgangsbasis sind meist einzelne, absolute Töne, die zu massiven Strukturen geformt werden; siehe etwa „Four Full Flutes“ (1990), „Works For Hurdy-Gurdy and Voice“ (2001) oder „Rhymes With Water“, das 2017 als sein aktuelles Album auf God Records erschien.

Zwei Tage nach seinem 85. Geburtstag würdigt Zeit-Ton Phill Niblock mit einem Porträt. Nach wie vor ein rastlos Reisender – Konzerttätigkeiten brachten ihn heuer etwa nach Griechenland, Kroatien, die Londoner TATE Modern und das MUMOK Wien – erzählt er u.a. von seinen audiovisuellen Kompositionsweisen und davon, noch immer ständig on the road zu sein.

 

 

© Ö1, Zeit-Ton, 4.10.2018

Playlist:

Urheber/Urheberin: Phill Niblock
Titel: One Large Rose
Album: Touch Strings, 2009
Ausführender/Ausführende: Robert Engelbrecht – Cello
Jan Feddersen – prep. Piano
Peter Imig – Violine
Jens Roehm – Bass
Phill Niblock – Elektronik
Länge: 06:39 min
Label: Touch – TO:79

Urheber/Urheberin: Phill Niblock
Titel: Unipolar Dance
Live-Performance Oktober 2013, Eyebeam New York
Ausführender/Ausführende: Phill Niblock – Elektronik
Katherine Liberovskaya – Visuals
Länge: 06:02 min
Label: Manus

Urheber/Urheberin: Phill Niblock
Titel: Pan Fried 11
Album: Reinhold Friedl: Mutanza, 2012
Ausführender/Ausführende: Phill Niblock – Elektronik
Reinhold Friedl – prep. Piano
Länge: 06:38 min
Label: Bocian – bc11/Bôlt – BR1012

Urheber/Urheberin: Phill Niblock
Titel: Three Orchids For Three Orchestras
Album: Brazil 84, 2014
Ausführender/Ausführende: Orchestra Of The S.E.M. Ensemble
Petr Kotík – Dirigent
Länge: 05:38 min
Label: Mode – mode 273

Urheber/Urheberin: Phill Niblock
Titel: Hurdy Hurry
Album: Touch Works For Hurdy Gurdy And Voice, 2001
Ausführender/Ausführende: Phill Niblock – Elektronik
Jim O’Rouke – Samples
Länge: 05:34 min
Label: Touch – TO:49

Urheber/Urheberin: Phill Niblock
Titel: Baobab
Konzert Festival CTM Berlin, 2014
Ausführender/Ausführende: Zinc and Copper Works Brass Quartet
Robin Hayward – Tuba
Hilary Jeffrey – Posaune
Elena Kakaliagou – Horn
Paul Schwingenschlögl – Trompete
Länge: 04:59 min
Label: Manus

Urheber/Urheberin: Phill Niblock
Titel: Nataliaworks
Album: Rhymes With Water, 2017
Ausführender/Ausführende: Phill Niblock – Elektronik
Natalia Pschenitschnikova – Bassflöte, Voc.
Länge: 06:11 min
Label: God Rec. – GOD43

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