Zeit Online: Fiona Apple „Unmissverständliche Wut / Eine Rezension von Daniel Gerhardt

Fiona Apple ist zurück mit einem Album über Machtmänner, die breitbeinig durch das Leben anderer trampeln. Ihre Stimme war mal schöner, aber nie so wichtig wie heute.

Auf halber Strecke zwischen Las Vegas und Salt Lake City befindet sich, bis zu 3.700 Meter hoch gelegen, der Fishlake National Forest im US-Bundesstaat Utah. 100 Meilen südöstlich des Waldes gibt es einen anderen Wald, den Donald Trump erst kürzlich für Bohr- und Mienenarbeiten freigegeben hat, und zwischen diesen beiden Wäldern vegetiert der wahrscheinlich älteste und schwerste Organismus der Welt vor sich hin. Mindestens 12.000 Jahre alt ist das Ökosystem mit dem Namen Pando, vielleicht auch älter als eine Million Jahre. Kommt drauf an, welchen Wissenschaftler man fragt.

Jedenfalls: Pando ist eine Kolonie aus Amerikanischen Zitterpappeln mit gemeinsamem Wurzelwerk und identischen genetischen Markern. Sie steht auf einer Fläche von 44 Hektar und setzt sich aus 47.000 regelmäßig absterbenden und (nicht mehr ganz so regelmäßig) nachwachsenden Bäumen zusammen. 6.000 Tonnen soll der Organismus wiegen, ein Monstrum aus filigranen Einzelteilen, ebenso vergänglich wie unendlich, genauso empfindlich wie unzerstörbar. Mehrere Jahre lang glaubte die Popmusikerin Fiona Apple, in der Existenz des Pando eine Metapher für die Zusammensetzung und Funktionsweise der perfekten Band erkannt zu haben…

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© Zeit Online, Kultur, 17.4.2020

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