„Wir haben keine funky Politiker, die das Maul aufmachen“ Rapper Galv in der Doku „Wer rettet die Clubs?“

Der Rapper Galv reiste für eine Dokumentation durch die brachliegende deutsche Clublandschaft. Ein Gespräch über den Kampf um Anerkennung und neue Allianzen.  Von Hannes Soltau.

Der Rapper Galv, bürgerlich Gavino Crabu, wurde 1989 geboren und lebt in Rottweil. Zuletzt erschien von ihm das Album „Villa Sanduché“ (2020, Doglessbone Rec.), das er zusammen mit dem Leipziger Produzenten Defekto veröffentlichte. In diesem Sommer kommt der Nachfolger „Vola“. Die von ihm initiierte Dokumentation „Wer rettet die Clubs?“ ist in der ARD-Mediathek zu finden.

Galv, für die SWR-Dokumentation „Wer rettet die Clubs?“ besuchten Sie im Februar kleine Veranstaltungsorte, sprachen mit Künstler:innen wie Samy Deluxe oder der Band Blond. Als Rapper sind sie aber selbst vom Kultur-Lockdown betroffen…
Eine Woche vor dem Start der Tour im vergangenen Frühling war klar, dass nichts mehr geht. Ein totaler Schock. 2020 wäre mein Jahr gewesen, endlich stabil von der eigenen Musik leben. Stattdessen hieß es: Die Konzerte fallen weg, es wird direkt existenziell und ich muss umsatteln.

Nun haben Sie die Tour zum dritten Mal verschoben. Ihr Vorsatz für 2021 auf Facebook lautet dennoch demonstrativ: „Clubs retten. Album droppen. Clubs spielen.“ Zwangsoptimismus?
Ich bin Realist und kann es mir nicht mehr vorstellen. Vielleicht wenn alles umgesetzt wird, was von der Politik versprochen wird. Aber die Strategie ist es noch immer, die Künstler zu vertrösten.

Deshalb die Idee mit der Dokumentation?
Ich habe im November das Protest-Video von Till Brönner zum Kultur-Lockdown gesehen. Endlich machte mal jemand das Maul auf! Einen Ausschnitt daraus habe ich gesampelt und den Song „Rettet die Clubs“ geschrieben. Ich wollte, dass möglichst viele aus der Branche im Video erscheinen, habe tagelang mit den Veranstaltungsorten telefoniert, wo ich auf der Tour hätte spielen sollen. Deren Geschichten waren so bitter. Das musste eine größere Plattform bekommen.

© Der Tagesspiegel, Kultur, 16.4.2021

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