„Wie viel Heimat braucht der Pop?“ Eine Erkundung entlang unübersichtlicher Frontverläufe Von Jens Balzer

Tradition, Nostalgie, überkommene Werte, idyllische Landschaften abseits unserer hektischen Zeit: Eine sonderbare Heimatseligkeit scheint die Popmusik ergriffen zu haben.

Zu den erfolgreichsten Künstlern der Gegenwart gehören der österreichische „Volks-Rock ’n‘ Roller“ Andreas Gabalier, der ganze Hallen mit Trachtenträgern füllt, und die Südtiroler Patrioten von Frei.Wild, die Heimatseligkeit mit einer rechtspopulistischen Agenda verbinden.
War Popmusik nicht immer ein Medium des Kosmopolitismus und der transnationalen Grenzüberschreitung? Spiegelt sich in seiner Wende zur Herkunft, zum Nationalen und Regionalen also die generelle politische Verschiebung nach „rechts“?
Auf solche Fragen will der Berliner Popkritiker Jens Balzer eine Antwort geben. Der Blick zurück in die Geschichte zeigt dabei freilich, dass Heimat und Herkunft auch im deutschsprachigen Pop seit langem schon zu den wiederkehrenden Motiven gehören – nicht zuletzt bei den „linken“ Folkbands und Krautrockern der siebziger Jahre. Und wer die Gegenwart genauer betrachtet, sieht besonders in der elektronischen Musik einen globalisierten Eklektizismus, der gar keine Traditions- und Kulturgrenzen mehr kennt. Dieser wird nun aber gerade von den Vertretern einer „linken“ Identitätspolitik massiv kritisiert: Ihnen scheinen Herkunft, Tradition und Identität ebenso wichtig zu sein wie ihren „rechten“ Antagonisten. Die politischen Frontverläufe sind unübersichtlich. Umso mehr lohnt es sich zu fragen, wie viel Heimat der Pop denn heute noch braucht.

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Jens Balzer ist Autor, ist Radio-DJ und schreibt für den Rolling Stone sowie die ZEIT. Zuletzt erschien von ihm das Buch „Das entfesselte Jahrzehnt“.

© Bayern2, Nachtstudio, 12.5.2020

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