„Wie Holger Czukay zum kauzigen Dilettant bei Can wurde“ Von Florian Fricke

Holger Czukay war der Bassist von Can und einer der einflussreichsten deutschen Musiker und Soundtüftler aller Zeiten. Vergangenen September ist die Kölner Musiklegende leblos im „Can“-Studio aufgefunden worden. Der Zündfunk verneigt sich.

Holger Czukay hat Komposition bei Karlheinz Stockausen studiert und war Bassist bei der legendären Band Can, zusammen mit Kraftwerk eine der einflussreichsten deutschen Bands aller Zeiten. Can kümmerten sich nicht um gängige Songformate und die angelsächsische Beat-Tradition, Can suchten einen eigenen Zugang zur Musik, einen fühlenden, groovenden Zugang. Holger Czukay war bei Can auch zuständig für die Montage, seine analogen Schneide- und  Sampletechniken sind legendär. Can verschmolzen Neue Musik mit Rockmusik. Nach der Auflösung der Band ging Czukay eigene Wege, blieb aber dem Can’schen Grundsatz der ewigen Suche stets treu. Er wurde Assistent in Conny Planks legendärem Tonstudio, wo er viele neue musikalische Partner fand wie die Eurythmics, Brian, Eno, Jah Wobble oder David Sylvian. Holger Czukay starb am 5. September 2017, sechs Wochen nach seiner Frau Ursula, die er bis zu ihrem Tod gepflegt hatte. Er wäre am 24. März 80 Jahre alt geworden. In dieser Zündfunk-Stunde widmen wir uns diesem großen Musiker und kauzigen Dilettanten. Denn als Dilettanten hat sich Holger Czukay immer verstanden. Neugierde war für ihn die Basis seiner ursprünglichen Musik..

© Bayern 2, Zündfunk, 8.3.2018

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