„Welchen Rang hat kulturelles Wissen heute?“ Der Bildungsbürger – dead or alive? Von Andreas Trojan

„Wanted Dead or Alive“ – solch harsche Steckbriefe kennt man aus den klassischen Western. Da werden ganz harte Jungs gesucht. So schlimm steht es um den deutschen Bildungsbürger sicher nicht. Doch wer möchte noch „Bildungsbürger“ genannt werden? Wer braucht ihn noch? Welche Funktion füllt er aus? Ist er also tot oder doch lebendig?

Die Nachstudio-Sendung macht sich auf die Suche. Und blickt dabei nicht zurück ins 19. Jahrhundert, als das Bildungsbürgertum noch die Kultur bestimmte, sondern in die Gegenwart. Kann Bildung heute noch individuell glücklich machen oder treibt uns die Konsumpeitsche von einem Hype zum nächsten? Wer Bildung hat, der hat auch Zeit. Und schafft sich „kulturelles Kapital“, wie der französische Soziologe Pierre Bourdieu festhält. Bildung ist auch „Kapital“ und lässt sich verwerten – heute genauso wie früher. Für den italienischen Literaturwissenschaftler Franco Moretti hat der „Bourgeois“ nicht nur Arbeit und Effizienz kultiviert, sondern auch den kulturellen Komfort. Ist es verwerflich, wenn man sich kulturellen Komfort erarbeitet? Eines ist aber klar: der klassische Bildungsbürger ist nicht mehr. Doch in zeitgemäßen Formen ist er durchaus lebendig. Der Autor Ernst-Wilhelm Händler kennt ihn, ebenso der Jurist Georg Oswald, der Verleger Jo Lendle, die Historikerin Dana von Suffrin und der Gymnasiallehrer Jürgen Bulla. Sie alle betreiben die Schriftstellerei. Und in diesem Metier schüttelt man zuzeiten die Hand des Bildungsbürgers. Man muss ihn ja nicht gleich umarmen.



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