Wenn ein System wie der Neoliberalismus, das mit Klimaerhitzung, Umweltzerstörung und sich verschärfender Ungleichheit die menschlichen Existenzgrundlagen untergräbt, sich als „alternativlos“ bezeichnet, wird es höchste Zeit, Gegenentwürfe zu entwickeln.

Der Kapitalismus verleibt sich immer weitere Lebensbereiche ein. Viele Menschen darin fühlen sich wie willenlose Konsumenten-Zombies. Um ein System zu überwinden, das selbstmörderisch auf den sozialen und ökologischen Kollaps zusteuert, schlägt Raul Zelik einen grünen Sozialismus vor. Der Schriftsteller und Politikwissenschaftler legt in seinem Buch „Wir Untote des Kapitals“ einen Gegenentwurf vor, indem er einem weiteren Untoten neues Leben einhaucht: Er wirbt für einen neuen, grünen, aus der Gesellschaft heraus entwickelten, demokratisch-egalitären Sozialismus.

Der Neoliberalismus hat die große Erzählung von Gleichheit und Freiheit noch einmal in eine verschärfte Form gebracht. Jede und jeder kann es schaffen, der Weg vom Garagen-Startup zum Multimillionär steht – nach dieser Erzählung – allen offen. Und wer im Wettbewerb aller gegen alle unterliegt, ist demnach selbst schuld. Gegenüber dem Wohlfahrts- und Wohlfühlkapitalismus der mehr oder weniger goldenen Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg sind die Verhältnisse seit den 1990er Jahren rauer geworden. Aber dafür sind auch die Jackpots größer. Die Reichen werden immer reicher, und die Armen werden nicht nur immer ärmer, sondern häufen auch immer größere Schulden an.

Die liberale Demokratie versucht den großen Spagat: Es gibt das Prinzip der politischen Gleichheit, aber gleichzeitig ein Wirtschaftssystem der extremen Ungleichheit. Um diesen wachsenden Widerspruch an der Wurzel anzugehen, an den Besitzverhältnissen, schlägt Raul Zelik einen grünen Sozialismus vor, als ein gemeinsam zu schaffendes System der Solidarität, der Gleichheit, der Demokratie und der Nachhaltigkeit.



© Bayern2, Zündfunk, Generator, 8.1.2021

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