Chicago, 3. Dezember 1966. Für ein Mitternachtskonzert kündigt Roscoe Mitchell seine Gruppe als Art Ensemble an. Im Juni 1969 tritt Mitchell mit seinen Mitspielern Lester Bowie, Joseph Jarman und Malachi Favors erstmals in Frankreich als Art Ensemble of Chicago auf.

Etwa um dieselbe Zeit gründet Manfred Eicher sein ECM-Label und produziert zwischen 1978-2001 vier Alben mit dem AEOC sowie etlichen weiteren mit Mitchell und Bowie assoziierten Bands.

Ihre radikale und innovative Musik hatte in den USA anfangs kaum Interesse bei den Plattenfirmen und Veranstaltern geweckt und so waren die Vier nach Europa exiliert, wo kleine Labels wie BYG, Saravah und America in Paris sowie ECM in München ihre Musik herausbrachten. „Es war eine aufregende gemeinsame Reise“, resümiert Roscoe Mitchell das in fünfzig Jahren entstandene riesige Œuvre, das unlängst in Form einer CD Box mit 21 CDs neu kompiliert herauskam.

„Wir tragen unsere Erfahrungen mit dem Art Ensemble in unsere jeweiligen Bands, und was wir damit erzielen fließt zurück ins Art Ensemble, was ein kontinuierliches Wachstum garantiert.“ So beschrieb der Trompeter Lester Bowie einmal das Prozedere. In diesem Jazz Special zum 50-jährigen Bestehen des AEOC richten wir den Fokus auf das legendäre Quartett, aus dem 1970 mit dem Drummer Don Moye alsbald ein Quintett wurde und folgen seiner Entstehung aus dem Musikerkollektiv AACM (Association for the Advancement of Creative Musicians) in Chicago.

Das AEOC verblüffte sein Publikum durch einen permanenten Stilwechsel für seine „improvisierten Kammermusik“ (Eicher), die in ihrer Ausdrucksvielfalt und Könnerschaft ihresgleichen suchte. Permanent mutierte ihr Sound und zog die Zuhörer in seinen Bann. Allein in der ersten französischen Periode entstanden zirka fünfzehn Alben, doch erst die Sessions in Ludwigsburg und München, aus denen Meisterwerke wie „Nice Guys“ und „Urban Bushmen“ hervorgingen, setzten das von Bassist Malachi Favors erfundene Motto „Ancient to the Future“ in die musikalische Tat um. Archaisch und futuristisch zugleich waren die Klangwelten, die das Art Ensemble schuf.

Playlist

© NDRInfo, Jazz Special, 22.2.2019 Text: Karl Lippegaus

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