„Vom Monster lernen“ Die Wunschmaschine des Marquis de Sade Von Ulrich Bassenge / Auf Wunsch wieder online!

„Um mich zu verstehen, muss man ein großer Philosoph sein: Ich bin ein Monster. Ein von der Natur ausgekotztes Monster, dazu bestimmt, an dem von ihr geforderten Werk der Zerstörung mitzuwirken.“

Von Ulrich Bassenge

Donatien Alphonse Francois de Sade, wahlweise genannt der Göttliche Marquis, der Antichrist oder „ein Professor des Verbrechens und Höllendoktor des Materialismus“ (Horkheimer / Adorno), Häftling in der Bastille, entgeht nur um Haaresbreite der Guillotine des Jakobinerterrors, um bald darauf lebenslang hinter Gefängnis- und Irrenhausgitter zu wandern. An solch kalten und tristen Orten, nicht etwa im Boudoir, entsteht sein ausuferndes Oeuvre.
Ulrich Bassenge interessiert sich hier weniger für die serielle Pornographie des graphomanen Adligen als vielmehr für dessen misanthropische Philosophie, die Nietzsche um ein Jahrhundert vorwegnimmt: Gott ist tot, die Natur feindlich – nimm das, Rousseau! -, der Mensch böse. Es regiert die enthemmte Ökonomie – auch und gerade die des Begehrens.
Als penible Kartographie menschlicher Untiefen führt dieses Werk direkt zu Freud und den Surrealisten, verpasst zuvor der Schwarzen Romantik Swinburnes und Baudelaires eine giftige Injektion und entlädt sich in den Ekstasen Batailles nicht zum letzten Mal. Doch was bedeutet de Sade im Zeitalter von Feminismus und Poststrukturalismus?

© Bayern 2, 2015

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