„Vogelzug“ Hörspiel von Sybille Lewitscharoff

Eine psychiatrische Einrichtung: Sie hängt in der kalten Schwebe zwischen einer Anstalt mit von gekachelten Bädern widerhallenden Geräuschen und einem modernen Gehäuse, das eine infantile Scheinwohligkeit vortäuscht und in dem alle Betreuer fröhlich wie zu Kindern reden.

Zwitschernde, kreischende und wie Menschen sprechende Vögel sind gelegentliche Begleiter der Patienten. Zeigen sie sich, gelingt es den Patienten, von ihrem irren Sinn abzulassen. In diesen Momenten sind sie von einem starken freiheitlichen Sehnen erfüllt, das keineswegs verrückt ist. Als andere Welt steht ihnen die Welt der Pflegekräfte und Ärzte gegenüber. Sie leben in einer vernunftorientierten und deshalb ungleich besser gemeinschaftlich zu organisierenden Wirklichkeit, der aber vielleicht die Sprengkraft der Poesie fehlt. Sibylle Lewitscharoff erzählt von der Sehnsucht der Patienten nach einer anderen, befreiten Welt, die aber nichts mit der aus »Einer flog über das Kuckucksnest« gemeinsam hat. Diese Welt zeigt sich einfach, um dann sogleich wieder in aller Härte auch zu verglühen.

Anlässlich der Ursendung schrieb Esther Boldt in epd medien: „Die Klinik Sonnenthal wird zu einem nahezu utopischen Ort, zu einem poetischen Mikrokosmos, dem Höhenflüge und tiefe Stürze kaum Grenzen setzen.“

 

 

„Vogelzug“ Hörspiel von Sybille Lewitscharoff

Mit: Udo Wachtveitl, Martin Rentzsch, Jens Wawrczeck, Tina Engel, Hildegard Schmahl u. a.
Komposition: Martina Eisenreich
Regie: Bernadette Sonnenbichler
(Produktion: SWR 2015)

Sibylle Lewitscharoff, geboren 1954 in Stuttgart, lebt als Schriftstellerin in Berlin. Romane: u. a. „Blumenberg“ (2011) und zuletzt „Das Pfingstwunder“ (2016), Essays, Hörspiele. Auszeichnungen: u. a. Ingeborg-Bachmann-Preis (1998), Kleist-Preis (2011), Georg Büchner-Preis (2013).

© SWR 2, Hörspiel, 12.4.2018

Danke das Du meinen Beitrag kommentieren möchtest

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.