Moin1921 entwirft Chlebnikov – Futurist, Utopist, Schwarmgeist, Wortzertrümmerer und Wortschöpfer – einen Essay über die Zukunft des Radios. Alles konnte damals noch vom Radio gewollt, erwünscht und erträumt werden, als dieses am Tag kaum eine Stunde krächzend und rauschend sendete.

Alle Naturgewalten werden von Chlebnikov herangezogen, um den Eindruck des Mediums zu schildern: Unermesslich, gewaltig, ungeheuer kostbar erscheint das Radio. Da ist die Nützlichkeit des Radios für die Volksaufklärung, die Chlebnikov zu einem Pfingstereignis verklärt. Fernheilung und unerhörte Arbeitssteigerungen. Das Radio sollte überall zur selben Zeit hörbar sein und das Ende der babylonischen Sprachverwirrung bedeuten. Wo es spricht, könnten die Menschen den winterlichen Geruch von Linden gemischt mit Schnee riechen.

Das Radio der Zukunft fängt den Sound des frühen Radios ein und ist ein utopisches Fragment, das Nachricht gibt, wohin sich das Radio hätte entwickeln können. Die Musik des Komponisten Ernst Horn basiert auf einer 15-minütigen Aufnahme, die beim Drehen an der Kurzwellenskala entstand und mit Computer und Sampler digital bearbeitet wurde.

 

„Das Radio der Zukunft“ Von Velimir Chlebnikov
Aus dem Russischen von Martin Zeyn
Mit Valeri Scherstjanoi und Holger Czukay
Bearbeitung: Ernst Horn/Martin Zeyn/Bernhard Jugel
Komposition: Ernst Horn
Realisation: Martin Zeyn/Bernhard Jugel
BR 1995

Velimir Chlebnikov, eigentlich Viktor Wladimirovic Chlebnikov (1885−1922). Dichter des russischen Futurismus. Werke u.a. „Bobeobi“ (1908/09), „Kolokol Uma“ (1913) „Zangezi“ (1922), „Das Radio der Zukunft“ (1927 erstmals veröffentlicht).

 

 

3 Comments

Danke, das Du meinen Beitrag kommentieren möchtest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.