„Unsere Fakten sind so was von alternativ“ Das knallhart recherchierte Wilde Denken

Es gibt ein neues 4 letter word im Mediendiskurs und wie sein Vorgänger macht es hässliche Piep-Geräusche, die uns alle nerven. Wildes Denken ist darauf vorbereitet, natürlich, ebenso wie seine Hörerinnen und Hörer, die früh lernen mussten, zwischen wahr und falsch zu unterscheiden.

 

Zum wiederholten Male zeigt dieses durch und durch analoge Magazin der digitalen, von Hass zerfressen Internetwelt, wo das Gute und Schöne und Wahre wohnt: im Radio. Also: Fuck fakes. Fuck Verschwörungstheorien. Fuck hate speech. Denn wir sind die Guten

„Gefälscht wurde natürlich schon immer – Münzen, Geldscheine, Kunstwerke, Landesgrenzen, Kaiserkrönungen, Identitäten und Interviews im SZ-Magazin -, aber das waren keine Fakes im eigentlichen Sinn. Der Fake unterscheidet sich von der Fälschung durch seine Perfektion. Fälschungen lassen sich grundsätzlich erkennen und nachweisen, Fakes in der Regel nicht. Die sind mit dem Original abgesehen vom Zeitstempels identisch – und eben doch ein Fake. Das macht die Sache so pikant. Denn selbst die Patina, also die Gewähr für eine zeitliche Dimension, wird heute gern nachträglich aufgemalt oder technisch appliziert. Sie ist meistens Fake.
Der Fake ist ein Symptom des technischen Fortschritts – aber genau darin liegt auch der Pferdefuß. Denn Fakes unterliegen anders als gute Fälschungen dem Dorian-Gray-Effekt: sie bleiben äußerlich so perfekt wie am ersten Tag, altern aber innerlich extrem. Fakes nehmen schnell die Gestalt eines Fossils an, man denke an die fernöstlichen Fakes technischer Gadgets, denen man das Alter verräterisch schneller als den Originalen ansieht.“

Thomas Palzers Papierflieger

© Bayern 2, Nachtstudio, Wildes Denken, 27.6.2017

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