„Träume ich oder träumen mich meine Träume?“ Eine Topografie nach Motiven von Aribert Reimann und Ludwig Wittgenstein

Es gibt Wohnungen, die strahlen ein besonderes Flair aus. In einer solchen wohnt der Komponist Aribert Reimann seit über 50 Jahren. Manche Möbel sind Erbstücke, manche hat er von seinen Vormietern übernommen.

Von Uli Aumüller

Auf Wunsch des Autors führte Aribert Reimann ihn durch seine Wohnung und erzählte die Geschichten, die sich mit den vielen Gegenständen dort verbinden. Er zeigte das Regal mit den Klavierauszügen seiner Mutter, den Schreibtisch, an dem er die Oper Lear komponierte, die Palme, die ihm seine Studenten vor 30 Jahren geschenkt hatten, seinen ersten Schallplattenspieler. Er erzählte, wie sein Bruder ihm ein Straßenbahnmodell schenkte und wenig später bei einem Bombenangriff ums Leben kam, 1944 in Templin. Er erzählte vom Bombenangriff in Potsdam, 1945 – und welche Möbel gerettet werden konnten. „All die Bilder, die uns jetzt aus Syrien erreichen“, sagte er da, „die kenne ich schon.“

Video von Uli Aumüller

Eine Führung durch Reimanns Leben und sein kompositorisches Schaffen – in der Logik und Reihung, wie sie auch Ludwig Wittgenstein in seinem Spätwerk „Philosophische Untersuchungen“ verwendet: Also nicht chronologisch oder nach Werkgruppen sortiert, sondern so, als würde man sich in einer Landschaft bewegen und mal das eine, mal etwas anderes fokussieren.

Der Essay von Uli Aumüller verteilt die Berichte und Reflexionen aus Aribert Reimanns Leben, Werk und Wohnung auf drei Stimmen. Auf SWR2.de ist die visualisierte Fassung dieses mehrstimmigen Monologs zu sehen; dort tritt Aribert Reimann auch selbst im O-Ton auf.

Manuskript PDF

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