1933 begann die Berliner Journalistin und Schriftstellerin Charlotte Beradt Träume zu sammeln. Traumnotate, die heute wie literarische Seismographien der Errichtung einer Diktatur erscheinen; die von Menschen „während ihrer Einschaltung als Rädchen in den totalen Mechanismus“ erzählen und die die Verbrechen, die erst folgen sollten, bereits vorwegzunehmen scheinen.

Feature von Julia Schlager

Das 20. Jahrhundert war das Jahrhundert des Traums. Franz Kafka, Walter Benjamin, Graham Greene, Hélène Cixous, Franz Fühmann, Paula Ludwig, Heiner Müller, Georges Perec, sie alle dokumentierten ihre Träume. Ebenso taten dies, wenn auch nicht unmittelbar literarisch motiviert, Fabriksbesitzer, Schneiderinnen, Milchlieferanten oder Gemüsehändler.

Die Traumbilder der 1930er-Jahre, die Charlotte Beradt protokollierte, zeugen von einer Wirklichkeit, „die sich gerade anschickte, zum Alptraum zu werden“; Träume in schwarz-blond, diktiert von der Diktatur.

„Ich werde mich im Blei verstecken. Zunge ist schon Blei, Blei festgeschlossen. Angst wird vergehen, wenn ich ganz aus Blei bin. Werde regungslos liegen, Blei erschossen.“

© Ö1, Tonspuren – das Literaturfeature, 24.4.2017

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