Das so oft gebrauchte Klischee des eigenen, stets identifizierbaren Sounds traf im Falle von Tomasz Stanko wirklich zu. Mit seiner Tonbildung, seiner Phrasierung setzte er sich vom Gros der Jazztrompeter deutlich ab; sein Instrument war für ihn ein Mittel zur Übertragung und Erweiterung jener Möglichkeiten, wie sie die menschliche Stimme bietet – ausdrucksstark, inhaltsvoll und vor allem emotional.

Mit Karsten Mützelfeldt

Von daher ist es auch verständlich, dass Joachim Ernst Berendt den Trompeter einst als „weißen Ornette Coleman“ bezeichnete. Ganz ähnlich wie der saxofonistische Freigeist legte auch Stanko weniger Wert etwa auf die mathematische Exaktheit der Intonation und eine virtuose Technik. Sein Spiel war vielmehr von einer unpolierten, naturbelassenen Rauhheit, die ihre eigene Ästhetik abseits der Mainstream-Konvention schuf und die vor allem für eine unnachahmliche Atmosphäre und Emotionalität der Musik sorgte.

Tomasz Stanko Quartett

Tomasz Stanko, Trompete
David Virelles, Piano
Slawomir Kurkiewicz, Kontrabass
Gerald Cleaver, Schlagzeug

Aufnahme vom 1.7.2012 bei Jazzbaltica Niendorf/Ostsee

© Deutschlandfunk, Jazz Live, 31.7.2018

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