In den 1960ern zählte er zu den gefragtesten Musikern; Bands wie „King Crimson“ luden ihn als Keyboarder ein, seine Bigband „Centipede“ mit Kollegen aus der Jazz- und der Klassik-Szene war auch kommerziell erfolgreich. Doch Geld ist nicht alles: Als Improvisator blieb Keith Tippett seiner musikalischen Neugier treu und verschwand aus der Öffentlichkeit. Beim Jazzfest Berlin stattet er dem europäischen Kontinent einen Besuch mit seinem Oktett ab.

Dieser Musiker ist so konsequent wie kompromisslos. Als etwa sein Name Keith Tippetts sich auf Plakaten als Bandleader nur schlecht laut lesen lies, strich er kurzerhand das ‚s‘. Nur die Sängerin Julie Driscoll, seine Ehefrau, trägt noch den vollständigen Familiennamen. Als seine Plattenfirma eine Fortsetzung des erfolgreichen „Centipede“-Projekts vorschlug, sagte er ab. „Und plötzlich kamen keine Weihnachtskarten mehr aus der Chefetage“, erinnert sich Tippett. Unter veränderten ökonomischen Vorzeichen fuhr er gegen alle Widerstände fort, bemerkenswerte Musik zu machen. „Maggie Thatcher gab den Ausschlag für mich, als Solo-Pianist zu experimentieren. Durch ihre Streichungen fanden Bands kaum noch Arbeit.“ Maggie Thatcher ist schon lange Geschichte, aber Tippett, der als Komponist für Sinfonieorchester und Bigbands wie das Minafric Orchestra oder das Projekt „Mujician“ aktiv blieb, erlebt heute seine Rückkehr auf die Festivalbühnen. „Wenn man mich in den vergangenen Jahren nur selten gehört hat, dann nur, weil ich nicht eingeladen wurde.

© WDR 3, 31. Oktober 2015

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