„Konrad Bayer, das ist so etwas wie die ewige Jugend der österreichischen Avantgarde“, schreibt der Literaturwissenschafter Klaus Kastberger über die „schillerndste Figur der Wiener Gruppe'“. In seinem schmalen Lebenswerk (kaum mehr als 600 Seiten) zerlege Bayer alle vorschnellen Überzeugungen. 

„Alle unsere vorfahren“, so heißt es in „der stein der weisen“, „haben die sprache zusammengebosselt und ihre reaktionen damit eingerüstet und so wurde mit der sprache alles gleich gemacht und nun ist alles das gleiche und keiner merkt es.“

„Franz Schuh hat darauf hingewiesen, dass die Texte Bayers die Ordnungen der Macht, die gern aus großen repräsentativen Einheiten gebaut erscheinen möchten, schon aufgrund ihrer formalen Anlage denunzieren. Die Texte Bayers sind stets kleingeschrieben und splittern sich in viele unverbundene Teile auf. „Die ganze Originalität seiner Literatur wendet er auf, um dem Erstarren im Konventionellen zu entgehen. Wie kaum ein anderer Autor der österreichischen Avantgarde setzt Bayer dabei in seinen Texten auf ein Mittel, das man als eine Art von erkenntnistheoretischem Humor bezeichnen könnte.“ (Klaus Kastberger)

Humor zeichnet auch Bayers Stück „kasperl am elektrischen stuhl“ aus. Dazu kommen Melancholie und Aberwitz – Kulturtechniken, die der Philosoph und Schriftsteller Franz Schuh beherrscht. Die Figuren dieses Sprechtheaters zeigen sich zunehmend von ihrer eigenen Sprache überwältigt und entgleiten ihr – oder umgekehrt? Franz Schuh ist in dieser Hörspielfassung in allen Rollen zu erleben.

„kasperl am elektrischen stuhl“ Von Konrad Bayer

Mit Franz Schuh
Musik: Hannah Hinsch
Regie: Philip Scheiner (ORF 2020)

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