Eine fantastische Musikerin, ein großartiges, gewagtes Album – dann nichts mehr. Was wurde aus der Sängerin und Komponistin Tuca? Von Detlef Diederichsen

Den meisten Vertretern ihrer Art wird man nicht auf die Spur kommen: künstlerische Talente, die sich in die Strukturen zu vermarktender Kunstproduktion nicht einzufügen vermochten. Die sich am Ende nicht äußerten oder nur in verstümmelter Form, die sich früh zurückzogen, früh starben, die für Sensationen gut gewesen wären, wenn die Kulturindustrie sie gelassen hätte.

Es gibt solche Fälle nicht nur im Bereich der Musik in großer Zahl – aber es ist schon klar, dass ein Mechanismus, der größte Massenkompatibilität entlohnt und fordert, nicht gerade geeignet ist, komplexe künstlerische Werke hervorzubringen.

Aber es gibt ja jetzt die Wiederveröffentlichungskultur. In ihr finden genau solche Künstlerpersönlichkeiten gerne ein zweites Leben. Ist eine Musik nur irre genug, sind es die Lebensgeschichten der Beteiligten, die Umstände der Produktion und die Gestaltung der Objekte, ist die globale Cratediggers-Gemeinde gerne bereit, in die Knie zu gehen und sich von viel Geld zu trennen.

Mitunter gehen die Narrative allerdings dermaßen durch die Decke, dass man versucht ist, Fake News zu vermuten. Tuca und ihr Album „Drácula I Love You“ ist so ein Fall.

© TAZ, Kultur, Musik,1.1.2021

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