Was kommt nach der Pandemie, wie kommt man nach Mülheim/Ruhr, wie geht es weiter? Helge Schneider im Gespräch über die großen und kleinen Danachs. Interview von Doris Akrap

Wegen Corona findet diese Begegnung per Skype statt. Bevor die erste Frage gestellt wird, bietet der Interviewte der Interviewerin am Bildschirm Kekse in einer Schale an. Nach der ersten Frage setzt er sich eine rote Clownsnase auf. Ein paar Fragen später setzt er sie wieder ab.

taz am wochenende: Herr Schneider, dieses Interview erscheint nach 2020. Was kommt danach?

Helge Schneider: 2021.

Sind Sie bei den Maßnahmen gegen Corona Team Nachschärfen oder Team Vorpreschen?

Vorpreschender Vorschärfer.

Auf Ihrem im ersten Lockdown produzierten Album, „Mama“, ist der beste Coronasong aller Zeiten zu hören: „Heute hab ich gute Laune“ mit der brillanten Zeile „Ich hab heute gut geschlafen, schlafen. Und jetzt esse ich ein Ei. Denn ich hab ja gute Laune, Laune. Und die geht auch nicht vorbei“. Hallt der Song nach?

Ich hab ihn noch nie im Radio gehört, obwohl ich den ganzen Tag Radio höre. Aber anscheinend sind andere Sachen wichtiger. Zum Beispiel zur Zeit „Driving Home for Christmas“.

Hatten Sie nach der Absage aller Konzerte wegen Corona Nachteile durch Ihre Ansage, Sie würden nicht vor Autos auftreten?

Ich bin schon genug vor Autos aufgetreten. Auf jeder Autobahnraststätte. Aber das macht einfach keinen Spaß. Mein Beruf ist ja abhängig von den Reaktionen des Publikums, weil ich kein Konzert reproduziere, sondern weil ich improvisiere. Bei Leuten mit Maske sehe ich aber keine Reaktion, und deswegen kann ich auch nicht vor Autos auftreten. Obwohl ich Autos ja sehr gut finde. Ich grabe gerne für jemanden einen Garten um. Aber meine Kunst ist keine Dienstleistung. Wenn ich bei einem Auftritt merke, da wird nur genommen, macht das keinen Spaß.

© TAZ, Kultur, Musik, 2.1.2021

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