Es ist nicht lange her, da wollte der Musiker und Label-Macher Sebastian Schnitzenbaumer die Stadt München wegen Rufschädigung verklagen. Dies führte wiederum zu Diskussionen, die auch außerhalb der bayerischen Landeshauptstadt für Aufsehen sorgten.

Schnitzenbaumer fragte sich, ob das konservative Marketing, das seine Heimatstadt betreibt, auch negative Auswirkungen auf die Kulturschaffenden haben könnte. In diesem Falle lautete der Vorwurf: Für selbstständig organisierte (Sub-)Kultur sei das Image von München als Saubermann-Metropole und volkstümelnde Oktoberfest-Hölle ein Standortnachteil…

Innovationsfreudigkeit zeigt sich dieser Tage erneut – gleich zweifach: Bei den grundunterschiedlichen Projekten Hochzeitskapelle und Carl Gari. Die Hochzeitskapelle gründete sich schon 2012. Anlass war eine Heirat. Doch entwickelte sich daraus gleich eine relativ beständige Gruppe, die aus den beiden Notwistlern Micha & Markus Acher, Evi Keglmaier von der Zwirbeldirn, Mathias Götz von Le Millipede und dem Bassisten Alex Haas besteht.

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Ganz anders geht diese Aufgabe das Trio Carl Gari an. Jonas Yamer, Till Funke und Jonas Friedlich setzen weniger auf Rumpeljazz oder „echte Musik“. Sie produzieren hingegen zeitgemäßen technoiden Elektronica-Sound, den man gerne auch als experimentellen Jazz-Entwurf lesen darf. Damit erinnert der Sound von Carl Gari etwa an die Superzeitlupensoundtracks von Bohren & der Club of Gore. Musik, die zwischen den Noten entsteht, von vibrierenden Bässen und langsam dahinfließenden Beats.

© TAZ, Kultur, Musik, 12.12.2019

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