„Bis ich … neun war, hatte ich noch keinen Baum gesehen“, erinnert sich Gitarrist und Keyboarder Bernard Sumner (Joy Division, später New Order) an seine Kindheit. „Ich war von Fabriken umgeben, und da war nichts Schönes, gar nichts.“ Zudem befand sich die Stadt im Würgegriff des berüchtigten, ultrareaktionären Polizeichefs James Anderton, der mit Vehemenz bekämpfte, was ihm suspekt erschien: speziell auch alle subkulturellen Hervorbringungen.

Von Stephanie Grimm

Ausgerechnet dorthin zog es 1979 den Londoner Musikjournalisten Jon Savage. Heimisch in Manchester wurde er nicht zuletzt, weil der soghafte düstere Sound des Quartetts Joy Division ihm die Stadt nahebrachte. 2007 war Savage federführend am Dokumentarfilm „Joy Division“ beteiligt, der atmosphärisch und sehr schlüssig einfing, was an dieser Band archetypisch Postpunk war und wie der charakteristische Grabkammernbandklang von der siechenden Atmosphäre Manchesters determiniert wurde.

Ein Panorama der Industriestadt

Nicht zuletzt wohl, weil Interviewpassagen ungenutzt blieben, hat der 66-Jährige kürzlich die Oral History „Sengendes Licht, die Sonne und alles andere“ nachgeschoben. Auf Deutsch ist die Schwarte pünktlich zum 40. Todestag von Joy-Division-Sänger Ian Curtis erschienen.

Darin erzählt Savage nicht nur die Geschichte von Joy Division, er hat ein Panorama ausgebreitet – ein Buch über die Stadt, angereichert durch zahlreiche neue Interviews. Auch mit „Sengendes Licht“ holt Savage wieder weit aus, so wie man es von seinen früheren Sachbüchern kennt, etwa von „England’s Dreaming“, der Kulturgeschichte des britischen Punk.

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© TAZ, Kultur, Musik, 1.8.2020

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