Starke Zeichen: Das nordenglische Elektronikduo Autechre und sein neues Album „Sign“. Autechre sind ein Enigma. Von Christian Werthschulte

Seit fast 30 Jahren produziert das britische Elektronikduo Album um Album und all jene Werke kreisen ausschließlich um sich selbst. Autechre sind Autechre sind Autechre – und dafür werden sie geliebt. Von allen Künstler:innen, die in den 1990er Jahren als „intelligente“ Alternative zum Dance­floor-Techno gehandelt wurden, sind Autechre diejenigen mit den treuesten Fans. Im Internet wird auch die kleinste Klangverschiebung ausgiebig diskutiert, es kursieren grobkörnige Fotos ihrer Studio-Setups, und Hunderte Künstler – die männliche Form ist Absicht – sind durch die beiden dazu motiviert worden, selbst einen Laptop in die Hand zu nehmen. Viele klingen wie Autechre, aber Autechre klingen wie niemand sonst.

Dabei hüten Autechre ihr Geheimnis nicht durch eine elaborierte Form von Privatmythologie, sondern dadurch, dass sie als Personen maximal unauffällig sind. So wie vor drei Jahren, als sie nach einem umjubelten Auftritt in Berlin mit einem Bier an der Wand des Kellerclubs Ohm gelehnt dem Set eines Detroiter Electro-DJs zugehört haben, während auf der Tanzfläche die angereisten Touristen versuchten, ihre Version eines typisch ekstatischen Berlin-Wochenendes auszuleben. Autechre sind Anti-Stars, gerade das macht sie interessant.

© TAZ, Kultur, 16.10.2020

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