»In einem Taxi vermuten wir immer den Ortskundigen. Was zählt, ist hier das Taxameter, oftmals ist die Fahrt eine lange Schweigeminute. Diskretion inbegriffen. Ein nicht enden wollendes Rauschen des fahrenden Taxiraumes, des sprechenden Taxifahrers. Doch dann kommt alles anders: Wo kommst du her? Und ich frage dann auch: Wo kommst du her? (Produktionsnotiz)

 

So geschehen in Hong Kong, New York, Perth, Rom, Fremantle, Shanghai, Adelaide, Istanbul, Berlin, Köln. Denn nicht selten sind Taxifahrer selbst die Ortsunkundigen, Fliehenden, Flüchtigen und nicht Sesshaften. Und, wohin ist der Taxifahrer unterwegs? Er ist auch am neuen Ort ein Rastloser, dauernd auf Achse und fährt andere.

Die temporäre Transitsituation Taxi – Auto – Fahrgast – Fahrer – abgeschlossener Innenraum ergibt eine kurze, äußerst komplexe Klangsituation: Radiostationen, Funkverbindung mit der Zentrale, die Fahrgeräusche bei geschlossenem wie geöffnetem Fenster. In der Klangmontage werden Gespräche nicht beendet, nur unterbrochen, später wieder fortgeführt. Hochgeschwindigkeits-Klangbänder rauschen vorüber, bevor sie im Echo der Städte versickern: akustische Durchgangsstationen, die zur auditiven Sozialfotografie gerinnen.«

„Taxi“ Hörstück in 5.1 Surround von Johannes S. Sistermanns

Komposition und Realisation: Johannes S. Sistermanns
(Produktion: SWR 2014)

Johannes S. Sistermanns, geboren 1955, lebt als Komponist und Audiokünstler in seiner Geburtsstadt Köln. Er realisierte 2012 für den SWR das Hörstück «Ausculta – Kloster Lichtenthal in Baden-Baden«. Sein vielfach ausgezeichnetes Werk bewegt sich entlang des Grenzbereichs von Performance, Hörspiel, Klangkunst und Neuer Musik.

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