Diesmal mit Tom Petty und dem famosen weiblichen britischen Indie-Pop der Siebziger – sowie der Antwort auf die Frage, wie Stasi-Chef Mielke die unliebsamen DDR-Punks loszuwerden versuchte. Von Ann-Kathrin Mittelstrass

Die vier CDs dokumentieren den Sound der Insel aus weiblicher Sicht. Punk ist nur der Ausgangspunkt. Es ist ein wilder Ritt durch insgesamt 90 Songs, unabhängig von Genre oder kommerziellem Erfolg. Die Pretenders und die Raincoats sind dabei, genauso wie die Heavy-Metal-Band Girlschool und Rip Rig + Panic, in der Neneh Cherry als Teenager gesungen hat. Gerade für später Geborene gibt es viel zu entdecken. Zum Beispiel, dass Gwen Stefani sich ihre kleinen Kiekser ganz sicher von Lene Lovich („Lucky Number“, 1978) abgeschaut hat!

„Make More Noise! Women In Independent Music, UK 1977-87“ (Cherry Red Records) 

Kurz: die Soundqualität auf der Compilation „Too Much Future“ (Iron Curtain Radio) ist ganz schön lausig – was das Hörerlebnis auf den drei LPs oder zwei CDs aber nicht weniger faszinierend macht. Schließlich ist das Punkrock aus der DDR! Von ausnahmslos illegalen Bands, die zum Teil niemals aufgetreten sind. NamenlosPlanlos oder Unerwünscht nannten sie sich. Ihre Songs hießen „Ronny Muss Zur Armee“, „DDR Terrorstaat“ und „Frustration“. Während die Sex Pistols der Punk-Bewegung im Westen den nihilistischen No-Future-Stempel aufdrückten, galt für die Punks im Osten eher: zu viel Zukunft. Und zwar vorgegeben durch die DDR-Diktatur. Die konnte natürlich auch nicht verhindern, dass Punkrock seinen Weg übers Westradio (John Peel!) hinter den Eisernen Vorhang fand. 

© Süddeutsche Zeitung, Retrokolumme, 19.10.2020

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