Viele weiße Musiker ließen sich von der Musik schwarzer Kollegen inspirieren. Diese „kulturelle Aneignung“ hat heute viele Kritiker. Einen der klügsten Beiträge zu dieser Debatte liefert die Eric-Clapton-Biografie von Peter Kemper. Von Jens-Christian Rabe

Die Verteidiger der kulturellen Aneignung im Pop wiederum vergaßen ihrerseits, dass die schwarzen Vorbilder zwar reich und berühmt wurden, aber natürlich lange nicht so reich und berühmt wie ihre jungen weißen Epigonen. Eine Ungerechtigkeit, an die Chuck Berry, der Vater des Rock ’n‘ Roll, Zeit seines Lebens nie vergaß zu erinnern, weshalb sich übrigens viele berühmte Verehrer immer etwas seltsam naiv an ihn als verschroben und unversöhnlich erinnern. Er hatte Gründe!

Es ist deshalb ein kaum zu überschätzendes musikjournalistisches Verdienst, dass sich Peter Kemper in seiner neuen Biografie von Eric Clapton, „Eric Clapton – Ein Leben für den Blues“ (Reclam), offen, kundig und kritisch mit den schattigeren Seiten der British Blues Invasion auseinandersetzt: „Niemals hat sich beispielsweise ein Blues-Aficionado wie Clapton die schwierigen Lebensumstände armer, schwarzer Farmpächter, Pförtner oder Fabrikarbeiter herbeigewünscht -, das wäre auch viel zu anstrengend gewesen.“ 

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