Die Hochspannung, die der Pianist Nduduzo Makhathini erzeugt, kann jeden aus seinem Kaninchenbau in die Wirklichkeit zurückreißen.

Von Andrian Kreye

Wenn der Pianist Nduduzo Makhathini eine Ballade spielt, wird jede Note zum Thriller. Man ahnt, dass sie jetzt gleich fällig wäre. Aber dann kommt sie erst ein paar Sekundenbruchteile später. Oder sie löst sich in einen Akkord auf, den man nicht erwartet hätte. Und wenn dann eine Note wieder auf den Punkt kommt, steht man schon so unter Strom, dass auch das eine Überraschung ist.

Es gibt nur wenige Musiker, die so offensiv mit Pausen und Backbeats umgehen können. Miles Davis, Bill Evans und Dexter Gordon waren die ersten. Das ist keine Tradition, in die man sich selber stellt, die man einfach lernen kann, es ist eher eine Fähigkeit wie das absolute Gehör. Nduduzo Mhakhatini hat sie. Eigentlich war der Pianist aus der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal auf dem besten Weg, in diesem Sommer ein Weltstar zu werden. Sein neuntes Album „Modes of Communication: Letters from the Underworlds“ erschien auf Blue Note, einem der wenigen Jazzlabel, die in der Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts den Modern Jazz begründeten und nun mit dem Wiedererwachen ihres Genres auch eine Art Gütesiegel für den Nachwuchs sind.

© Süddeutsche Zeitung, Kultur, 16.11.2020

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