Seine Musik spielt mit der Erweiterung der Klänge und Klangtypen: Der Komponist Helmut Lachenmann im Gespräch über Demokratie und Kunst in Zeiten der Krise.

Interview von Wolfgang Schreiber

SZ: Herr Lachenmann, warum brauchen Menschen überhaupt Kunst? Diese Frage stellt sich, weil ihre Daseinsberechtigung heutzutage vielen als demokratisch begründet erscheint.

Helmut Lachenmann: Ach wissen Sie, für die Mehrzahl der demokratisch ans Ruder Geratenen sind Künstler, nicht zuletzt Musiker, gar Komponisten freundlich benutzt und beklatscht, gar auch mal bejubelt oder bebuht, gerne geduldet, vielleicht interessant, aber letztlich macht irrelevant. Ich traue dem weithin unreflektierten Begriff des Demokratischen nicht mehr so recht über den Weg: Er erwies und erweist sich allzu oft als im Sinne finsterer Interessen hemmungslos missbrauchbar. Bei der Wahl in Thüringen konnte man zum Glück gerade noch die demokratisch nicht ganz unanfechtbare Notbremse ziehen. Demokratie scheint ebenso hilflos gegen das gefährliche Virus der Demagogie wie gegen das der Verblödung…

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© Süddeutsche Zeitung, Kultur, 27.5.2020

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