Moses Boyd ist nicht der Typ, der sich politisch engagiert. Doch Ende 2019 stellte der Londoner Drummer für kurze Zeit ein neues Facebook-Profilbild ein: eine britische Flagge, gefärbt in knalliges Gelb und Grün. „Ich kann mich nicht komplett mit dem Union Jack identifizieren, aber es ist dennoch meine Flagge. Ich fühle mich als Brite, aber auch als Jamaikaner und Dominikaner.“

Von Jan Paersch

Boyd, dessen zweite Soloplatte „Dark Matter“ gerade unter seinem eigenen Label Exodus Records erschienen ist, gehört zu den fleißigsten Protagonisten einer jungen britischen Szene, die nicht zwischen Jazz und Pop unterscheidet. Er trommelte für das brachiale akustische Quartett Sons of Kemet und auf einem Track des „Lion King“-Albums von Pop-Göttin Beyoncé.

Sein mehrfach ausgezeichnetes Saxofon-Schlagzeug-Duo Binker and Moses gießt Einflüsse des Spät-Sechziger-Free-Jazz in eine moderne Form, und macht dessen Schärfe für junge Clubgänger genießbar. All das wäre Boyd wohl nicht ohne einen gewissen musikalischen Korpsgeist passiert. In einer Stadt wie London, deren Einwohner das Wort „Gentrification“ lange vor allen Kontinentaleuropäern buchstabieren konnten, zählt unter Künstlern vor allem die Vernetzung….

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© Süddeutsche Zeitung, Kultur, Musik, Jazz,11.3.2020

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