Von Soweto nach London: Für das Projekt „Keleketla!“ holten sich Aktivisten aus Soweto nicht nur das DJ-Duo „Coldcut“, sondern auch südafrikanische Musiker und Veteranen der Protestmusik. Das Album könnte eine Blaupause für solche Projekte werden.

Keleketla! bedeutet in der südafrikanischen Sepedi-Sprache so viel wie „ich höre“. „Keleketla!“ antworten die Zuhörer den Eröffnungen eines traditionellen Geschichtenerzählers, eine Beschwörungsformel, die über das Spiel von Ruf und Antwort eine Gemeinschaft herstellt. Wenn nun das für elektronischen Flow berüchtigte britische DJ-Duo Coldcut ein Projekt auf diesen unhandlichen Namen tauft, dann muss einige Ruf-und-Antwort-Energie zwischen Mikrofonen, Mixer und Laptops geflossen sein. Und zwar dort, wo das Wort herkommt: In Südafrika, genauer gesagt im Laden einer Kunst- und Bürgerinitiative in Soweto, an einem Ort also, der gemeinhin mit einem der größten und konfliktbeladensten Ghettos des globalen Südens gleichgesetzt wird.

Tatsächlich waren es die südafrikanischen Aktivisten, die sich die Londoner Musiker holten und nicht umgekehrt. Die Keleketla Arts Initiative aus Johannesburg hatte die beiden britischen DJs als Wunschpartner auserkoren, um ein Album für die britische Charity „In Place of War“ einzuspielen. Und Coldcut ergriffen ihre Chance. Schließlich hat sich das Verhältnis zwischen westlichem Pop und afrikanischer Musik längst gedreht. Nicht die Afrikaner brauchen Nachhilfe aus dem Westen. Die Stars aus Europa und Amerika suchen hier ihren Jungbrunnen. Da befinden sich Coldcut mit Damon Albarn, Robert Plant oder Doctor L in guter Gesellschaft.

(c) Süddeutsche Zeitung, Kultur, 2.8.2020

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