Klanghavarien sind hier Glücksfälle, Fehler werden verstärkt, nicht behoben: Das famose neue Album des deutschen Avantgarde-Techno-Tüftlers und Hollywood-Filmmusik-Produzenten Carsten Nicolai alias Alva Noto.

Was passiert, wenn Klangwellen durch Medienwechsel gehen und unberechenbare digitale Dellen bekommen? Als der aus Chemnitz stammende 54-jährige Musiker Alva Noto Mitte der Nullerjahre für eine Weile in einem Hotelzimmer in Yamaguchi, einer Vorstadt von Tokio lebte, wurde er Tag und Nacht von Unterhaltungsmusik berieselt, die knapp oberhalb der Wahrnehmungsgrenze in sein Unterbewusstsein einsickerte.

Diese Musik nahm Noto mit einem damals neu gekauften japanischen High-Tech-Aufnahmegerät auf. Beim Versuch jedoch, die hochauflösenden digitalen Klangdaten in seinen Apple-Laptop zu importieren, erwachte der Geist in der Maschine und baute unvorhersehbare Fehler in das Signal: Die Geschwindigkeit der Musik wurde geheimnisvoll auf die Hälfte reduziert, Störgeräusche interpolierten sich bei der Übertragung der Aufnahme algorithmisch in die neue Sounddatei.

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© Süddeutsche Zeitung, Kultur, 5.7.2020

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