„Symbolische Gewalt“ Was Armut und soziale Unsicherheit anrichten Von Michael Hirsch und Martin Zeyn

Was macht die Armut mit einem? Laut dem französischen Philosophen Pierre Bourdieu geht es nicht nur darum, wenig zu haben, sondern auch darum, wenig zu sein. Der sogenannte Leistungsträger sonnt sich in seinem Erfolg, der Arme hat etwas falsch gemacht in seinem Leben.

Es geht um soziale Anerkennung, um den Wert der eigenen Person. Der wird demontiert, wenn dem Armen mehr oder weniger deutlich zu verstehen gegeben wird: Du hast nichts Besseres verdient, Du bist nicht mehr wert.
Armut in reichen Gesellschaften ist deswegen kein absoluter, sondern ein relativer Begriff. Unsere Gesellschaft zelebriert Unterschiede, glorifiziert sie als Konkurrenz. Armut heißt, immerfort vorgehalten zu bekommen, versagt zu haben. Aber haben die unteren 20 Prozent wirklich eine Chance? Und warum müssen seit Hartz IV sich Antragstellerinnen und Antragsteller quasi rechtfertigen, warum sie Leistungen beanspruchen? Bourdieu hat das als „symbolische Gewalt“ gekennzeichnet, als das Herabwürdigen von Menschen zu Bittstellern. Was nicht ein Akt individueller Grausamkeit ist, sondern ein Fehler im System.

Der Philosoph Michael Hirsch und Nachtstudio-Leiter Martin Zeyn fragen sich, wie es zu dieser „Bestrafung der Armen“ (Loïc Wacquant) kommen konnte – und was getan werden muss, damit sie endet.

 

© Bayern 2, Nachtstudio, 7.5.2019

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