Wie einen Orden hat der Jazzpianist Sun Ra sein Arkestra geführt. Die Band hat seinen Tod bei weitem überdauert und ihren Gründer in allen möglichen Indie-Kulturen etabliert. Nach mehr als zwanzig Jahren erscheint nun ein neues Studioalbum. Von Christoph Wagner

Vom Aussenseiter zum Underground-Star – so könnte man die Popularitätskurve beschreiben, die der afroamerikanische Jazzmusiker Sun Ra seit seinem Tod 1993 durchlaufen hat. Seine Band, das Arkestra, mittlerweile unter der Leitung des Saxofonveteranen Marshall Allen (Jahrgang 1924), zählt weiterhin zu den erfolgreichsten Gruppen des zeitgenössischen Jazz.

Wenn 1955 nach Charlie «Bird» Parkers frühem Tod die Fans «Bird lives» auf Hauswände kritzelten, gilt heute der Spruch «Sun Ra lives». Der Sonderling, von vielen als Scharlatan verspottet, zählt unterdessen zu den Ikonen der Jazzwelt. Aber nicht nur hier. In der alternativen Rockszene nennt man seinen Namen mit noch grösserer Ehrfurcht. Nach mehr als zwanzig Jahren legt das Arkestra nun mit «Swirling» wieder ein neues Studioalbum vor. Die Gruppe zeigt sich in blendender Form.

Sun Ra Arkestra: Egypt 1971 (5LP-Box); Swirling (beide: Strut).

© NZZ, Feuilleton, 20.10.2020

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