Heute drehen sich die Open Sounds um David Jisse und Ivo Malec, zwei bemerkenswerte Künstler und Gestalter der „experimentellen, neuen & elektronischen Musik“.
Mit Reinhold Friedl / Redaktion Frank Hilberg

point of view [77]: David Jisse

David Jisse ist eine illustre Figur in der Musikszene der französischen Hauptstadt. Bis vor nicht allzu langer Zeit wusste niemand, wie er überhaupt zur elektroakustischen Musik gekommen war, obschon er eine der prominentesten Insitutionen leitete: von 1999 bis 2013 leitete er die mit Luc Ferrari gegründete Muse en circuit mit eigenem Produktionsstudio. Schließlich stellte er heraus was man heute bei Wikipedia lesen kann: seine ersten musikalischen Erfolge feierte er als Chansonnier zusammen mit seiner ersten Frau unter dem Namen David et Dominique. Dann aber fand er im Müllbehälter des Miethauses in dem er wohnte weggeworfene Tonbänder. Dem ging er nach und machte die Bekanntschaft mit Luc Ferrari, dessen Studio sich im Erdgeschoss befand. David Jisse erlag Ferraris Charme und seine Chanson-Karriere war damit beendet und vor ihm lag die neue Welt der experimentellen Musik.
Jisse stellt Werke vor – kaum verwunderlich: Luc Ferrari in prominenter Rolle – die ihn beeinflussten und beeindruckten.

profil [68]: Ivo Malec

Ivo Malec, 1925 in Kroatien geboren studierte in Zagreb Komposition. 1955 erhielt er ein Stipendium für einen Parisaufenthalt. Trotzdem er bereits 30 Jahre alt war, wurde es für ihn ein Erweckungserlebnis. Pierre Schaeffer, der Leiter der damals noch Groupe de Musique concrète genannten Gruppe, wurde sein „wahrer und einziger Meister“, konkrete Musik sein Brevier. Und er blieb in Paris.
Trotzdem wurde Malec kein elektroakustischer Komponist: Einige seiner Tonbandstücke wie Cantate pour elle, Luminétudes oder Triola ou Symphonie pour moi-même fanden zwar weltweit Beachtung, noch mehr Aufsehen aber erregte seine Instrumentalmusik. Malec wurde der Inbegriff des von der Musique concrète geprägten Instrumentalkomponisten und der lebende Beweis, dass Pierre Schaeffers Theorie der Klangobjekte im instrumentalen und insbesondere orchestralen Bereich fruchtbringend sein kann. Ivo Malecs Orchesterwerk Sigma wurde das Paradebeispiel.
Neben seine kompositiorischen Tätigkeit unterrichtete Ivo Malec am Conservatoire Nationale de Paris, gründete Ensembles für Neue Musik und reüssierte als Dirigent. Im August dieses Jahres starb er im Alter von 94 Jahren in Paris.


© WDR 3, Studio Elektronische Musik, 22.2.2020

KomponistTitel
Ivo MalecSigma, Miniatures pour Lewis Carroll
Ausschnitt
Ivo MalecCantate pour elle
Ausschnitt
Ivo MalecLumina
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Ivo MalecLuminétudes
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Ivo MalecDodécaméron
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Ivo MalecTriola ou Symphonie pour moi-même
Ausschnitt
Ivo MalecWeek-end
Ausschnitt
Ivo MalecArc-en-cello
Ausschnitt

Moderation: Reinhold Friedl

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