Beim Erinnern „vergessen wir immer einen Teil der Information. Zugleich fügen wir etwas hinzu, von dem wir dann glauben, es sei tatsächlich geschehen. Deshalb ist die Erinnerung so kreativ,“ so der spanische Komponist Alberto Posadas.

Für Alberto Posadas ist Erinnern kein objektiver Prozess, kein Katalog von Momentaufnahmen der Realität. Mit diesem kreativen Potenzial spielt Posadas in seinem abendfüllenden Klavierzyklus „Erinnerungsspuren“. Er verwendet darin transformierte Zitate und vermischt sie mit seiner eigenen Musik, um etwas entstehen zu lassen, was er die „Brücke in die Vergangenheit“ nennt.

In der ersten Folge unserer Neuaufnahme dieses Werkes, das im Auftrag von SWR, WDR und der Philharmonie Luxembourg entstand, geht es um „Anklänge“ an François Couperin, Claude Debussy und Robert Schumann. Posadas beschäftigt sich in den Stücken seines Zyklus mit jeweils einer anderen Erinnerungsquelle. Das Wesentliche ist die individuelle Verarbeitung des erinnerten Materials. Dabei lässt er nie direkte Zitate der Referenzstücke erklingen, sondern lediglich Anklänge und Allusionen, Gesten und Figuren, die bestenfalls an die Originale erinnern, sie aber nicht evozieren.

Alberto Posadas „Erinnerungsspuren“ (2014-16) Zyklus für Klavier Teil 1-3
Florian Hölscher / Klavier

© WDR 3, Neue Musik, 2.12.2018

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