Bluetooth-Boxen sind ohne die sozialen Plattformen im Netz nicht zu denken. Und umgekehrt. Wer sich mit ihnen verbindet, steigt ein in die Raumexperimente der Gegenwart. Elf Notizen.

1.

Manchmal, nachts, wenn ich aufwache, lege ich die kleine Bluetooth-Box neben meinen Kopf. Dann spielt daraus ganz leise Musik, manchmal Nachrichten, manchmal lasse ich Regengeräusche aus einer App rauschen. Ich schließe die Augen und stelle mir vor, ich habe mich in den Klängen untergestellt. Ich muss warten, bis das Wetter wieder besser wird. Über dieser Vorstellung schlafe ich ein.

2.

Die Bluetooth-Box ist dann für mich kein richtiger Lautsprecher. Weil sie nicht laut zu mir spricht. Sie flüstert nur. Sie ist ganz nah, ganz zart, aber bestimmt. Die Bluetooth-Box ist aber auch kein Kopfhörer. Sie sitzt mir nicht auf den Ohren. Sie schließt mich nicht ab und drückt mir den Sound nicht in den Kopf.

3.

Die Bluetooth-Box ist kein echter Lautsprecher, weil sie nicht fest verkabelt ist und deshalb nicht unbeweglich an einer Anlage hängt. Sie ist ein Produkt der Kulturmobilisierungsindustrie. Mobilität ist ihr Dispositiv. Portabilität gilt als Ausdruck von Freiheit. Die Bluetooth-Box lässt mir Spielraum für Bewegungen, damit ich sie mit mir in Bewegung halte. Allerdings in Grenzen. Die Bluetooth-Box ist kein Walkman. Ich stöpsele sie nicht in mich ein. Sie wird nicht eins mit mir. Sie ist nicht wirklich dort, wo ich bin. Sie bleibt bei jeder Bewegung zwar immer in meiner Nähe. Aber sie kommt mir niemals zu nah…

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© SPEX, 21. August 2019

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