Euch erwartet ein Pianist, der auf einem präparierten Flügel einzigartige Klänge entwickeln kann, 2 Gitarristen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können sowie eine Exkursion auf einer Orgel, Disklavier und Elektronik. Außerdem elektroakustische Musik von Kutin. Unterschiedlicher geht es nicht.

Philip Zoubek – Vortex / WhyPlayJazz

Nach „AIR“ von 2015 ist dies seine 2. Solo Veröffentlichung, die ich spontan nach dem Erscheinen seiner Trio-CD „Outside“ gekauft hatte. Diese ist immer noch mein Favorit aller Philip Zoubek Veröffentlichungen. Mich verzaubern ja diese meditativen Momente, wo er den Klängen Zeit lässt, ihnen nach lauscht und sie ausklingen lässt. Und alles ohne Overdubs, wie man zwischendurch vermuten könnte. Hier hören wir einem Meister des präparierten Klaviers zu.

Empfohlen wird hier das hören über Kopfhörer und das ergibt Sinn. Den vielen Nuancen der Präparation kann man unter Kopfhörern deutlich besser folgen. Allein die Unmittelbarkeit dieser Energie, die verblüffenden Effekte lassen einen unwillkürlich die Replaytaste drücken. Man sollte allerdings vorsichtig mit der Lautstärke sein, gewisse Obertöne können unangenehm sein.
„Vortex“ kann man mit Strudel übersetzen, etwas das einen hineinzieht. Also lasst euch hineinziehen, gebt euch diesem Sog hin, es wird eine spannende Reise.


Arnold deBoer – Minimal Guitar / Makkum Records

Das letzte Jahr hatte mit dem ausbrechen der Pandemie viele Künstler zu neuen Ideen verholfen oder gezwungen. Da wurden ganze Konzerte in Wohnzimmern gespielt, da gibt es sehr viele verschiedene Beispiele. Arnold entschloss sich in seiner Wahlheimat Amsterdam umzusehen. Täglich unternahm er ausgedehnte Spaziergänge zu den unterschiedlichsten Orten oder er ließ sich einfach treiben. Im Booklet sind die gefunden Orte genauer beschrieben. Er ließ Baustellen, Industrieanlagen, Grünflächen, Friedhöfe und vieles andere auf sich wirken, um dann seine Eindrücke im Studio in Musik zu verwandeln. Das Minimale bedeutet hier nur die Begrenzung auf ein Instrument, nicht auf zu wenige Ideen. Ganz im Gegenteil.

Durch sprechende Titel kann man seinen Unternehmungen folgen und sich vor der Rauheit und einfachen Schönheit seiner Melodien inspirieren lassen. Die Auflage seiner Veröffentlichung ist limitiert. 100 CDs, 200 LPs oder 300 Downloads.

Viele Geschichten, aber vor allem bin ich Musiker und möchte Sie hören lassen, wie sich das alles für mich angefühlt und angehört hat. Daher auch diese Platte.

Arnold deBoer

Kasper Agnaz – Grain / Haphazard Music

Kasper war der Gewinner der Montreux Jazz Electric Guitar Competition im Jahr 2017. Das hat mich aufhorchen lassen und er war so gut, dass die Jury keinen 2. Platz vergeben hat. Das ist ja schonmal eine Ansage. Dieses Konzert von 2018 ist mehr als bemerkenswert für diese junge Band.

Um so erstaunlicher ist das Experiment seiner Solo-CD. Die ist sowas von „ganz anders“ …!
Was passiert, wenn nur noch der Samen eines Musikstücks übrig bleibt, quasi der Kern?
Wenn man das ganze Stück auseinandernimmt, was bleibt dann davon übrig?
Davon handelt diese neue Veröffentlichung. Ein Experiment.

Dem Klang nachforschen, nachhören. Einen Akkord spielen und hören, wie er sich verändert.
Die Obertöne, die sich dazu addieren und vor allem Zeit. Beim ersten Anhören war ich überrascht von der Rohheit und Direktheit. Teilweise stieß sie mich ab. Aber irgendwie faszinierte mich diese Herangehensweise, diese Idee hinter allem.
Das MUSS man mehrmals hören und man MUSS auch offen sein. Nur dann kann man die Schönheit dieser Musik auch hören. Ich habe einen großen Respekt vor diesem jungen Musiker, der eine so radikale Musik veröffentlicht.


Øyvind Brandtsegg – Nancarrow Biotope / CRÓNICA

Und nun etwas komplett anderes.
Diese Musik hab ich seit Dezember hier liegen. Mehrmals angehört und ich wusste sie nie so richtig zu fassen.
Die Musik von Conlon Nancarrow ist mir bekannt, aber auf einer Orgel?!?
Ich muß zugeben, dass ich mit dem ersten Hören dieser Veröffentlichung so meine Schwierigkeiten hatte.

Ich mag Orgelmusik, schon als Jugendlicher bin ich gern in Orgelkonzerte gegangen.
Vor allem, wenn modernere Musik wie Messiaen gespielt worden ist.
Allerdings ist diese Musik für Pfeifenorgel, Disklavier und Elektronik schon sehr speziell.
Aber da hier auf diesem Blog doch mehr ungewöhnliche Musik und auch neue Musik vorgestellt wird, ist das genau das richtige. Wer also das Neue und Unbekannte liebt, der sollte diese Herausforderung annehmen.
„Vector & Intervals“ wäre ein guter Einstieg, aber das kann auch ganz falsch sein.


KUTIN – Achronie / DL Ventil Records

Aufgefallen war mir die Musik von Peter Kutin über eine Sendung des Ö1 „Rotating Sounds“.
Das war sehr spannend, vor allem auch der Mitschnitt des gesendeten Konzertes.
Dort wurde auch auf die hier vorliegende Veröffentlichung hingewiesen.

Kutins starkes Interesse an der Geschwindigkeit und Zeitlichkeit von Klängen und musikalischen Strukturen lässt ihn einen anderen Weg einschlagen oder anders klingen als viele, die Elektroakustische Musik komponieren. Vielleicht ist auch seine Arbeitsweise eine andere. Die Verwendung von Fieldrecordings, einer Drehleier, klassischer Perkussion oder einer menschlichen Stimme schaffen Collage artige Klangmalereien, die einen gewissen individuellen Sound ausmachen. Eine lohnende Entdeckung.

Apropos Elektroakustische Musik.

In letzter Zeit sind wieder viele neue Produktionen vom führenden Label für Elektroakustische Musik
„empreintes DIGITALes“ erschienen. Die ich hier demnächst noch vorstellen werde.

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