Sonntag, Sons d’hiver, Peter Brötzmann, Karl Lippegaus und mehr Jazz!

Dieses Konzert (30Jahre! Sons d’hiver), welches ich gestern Abend online gestellt habe, habe ich min. 2-mal komplett gehört. Eve Risser beginnt mit einer Musik die mich an ihr letztjähriges Konzert zu den Leipziger Jazztagen erinnert.
Und Edward Perraud erinnert mich an das Konzert in Leipzig mit seiner Band „Synaesthetik Trip“. Das waren auch so in etwas meine Konzerthighlights vom letzten Jahr.

Es ist einfach wunderbar zu sehen wie alle Beteiligten Musiker:innen sich gegenseitig zugehört haben.
Was sehr schön von der Kamera eingefangen wurde. Herausragend das Konzert von David Murray und Archie Shepp.


Die alten Jazzmusiker haben es halt immer noch drauf. Was ich sehr gut bei der Veröffentlichung vom ICP Septett hörte.
Han Bennink fast 80Jahre alt und immer noch so wach und frisch. Das ist schon ein Erlebnis.
Guus Janssen am Klavier fast 70. Wolter Wierbos eilt Posaune spielend von Raum zu Raum, um dort musikalische Aktionen in Gang zu setzen. Was für eine herrliche Idee!

Wer also zeitgenössischen Jazz mit viel Humor und Herz hören möchte, der ist mit „Komen en Gaan“ sehr gut beraten!


Letztes Jahr ist Toshinori Kondo verstorben. Jener Trompeter aus Japan, der diese am liebsten elektronisch verstärkt und
mit vielen Effekten spielte. Er war ein Freund von Peter Brötzmann und in dessen Quartet „Die Like A Dog“ war er dabei.
Für viele einer seiner besten Gruppen. Die Veröffentlichungen dazu sind alle aus FMP zu finden.

Schön zu lesen wie sich hier die Kreise schliessen. Hamid Drake der bei „Die Like A Dog“ mitspielte, ist auch bei dem Konzert von 30 Jahre Sons d’hiver zu hören. Dort dann mit u.a. Archie Shepp, David Murray, Brad Jones, Kirk Lightsey.


Das war ein gutes Quartett, ja. Ich bin ja nicht so ein Freund von diesen elektronisch „verbastelten“ Dingen, und für mich ist Kondo auch der Einzige, der es richtig gut macht. Dieses Quartett Die Like A Dog ist entstanden, als ich mit Kondo in Amsterdam in einem Café saß und wir uns getroffen hatten, weil er die letzten 10-15 Jahre ein kleines Apartment dort hatte. Wir haben über (den Saxofonisten Albert) Ayler geredet, zu jener Zeit war ich im Trio mit Hamid und William unterwegs; wir waren uns einig über Aylers Intentionen usw.. Da haben wir beschlossen, ok – dann machen wir dieses Quartett.

Es gibt mit (Toshinori) Kondo – was gar nicht so häufig ist mit japanischen Menschen – eine ziemlich tiefe Freundschaft, und auch wenn wir uns manchmal lange Zeit nicht sehen: Es ist eine außergewöhnliche Verbindung, und die zeigt sich hoffentlich auch in der Musik.

Peter Brötzmann

Das ist ein Auszug aus einem Gespräch mit Brötzmann welches Karl Lippegaus am 19.2.2021 führte.
Eine Weiterführung seiner Gesprächsreihe „Diary Of Jazz„. Es ist ein ausführliches und sehr informatives Gespräch geworden.


„Heute, wenn ich mal Radio höre – ich will jetzt keine spezielle Sender-Bigband nenne – aber das ist doch alles harmloser Unfug. Das läuft eigentlich dem, was wir hinter uns und hoffentlich auch noch vor uns haben, total zuwider. Oder es sind einfach zwei so getrennte Schubladen, die eigentlich miteinander nichts mehr zu tun haben. Ach, Jazzmusiker, ja…“

Peter Brötzmann


Da man so viel unterwegs ist, ist die Zeit zwischen den Touren nicht lang genug, um große Leinwände vorzubereiten und Ölbilder zu beginnen. Man benutzt, was auf dem Tisch liegt – Papier, Pappe, eine leere Zigarrenkiste, Stifte, Filz und Pinsel, Tinte in einem Glas oder einen chinesischen Tuschestein.
Man benutzt, was da ist, und das ist es, was wir Musiker improvisieren nennen, und davon handeln die Arbeiten in diesem Buch [und auch mein Leben]

Peter Brötzmann

Am 4.3.2021 erscheint ein Katalog seiner Kunst: Brötzmann: Along the Way
Artwork form 2012 to 2020 (https://www.buecher-zur-musik.de/black-music—jazz/broetzmann-along-the-way.php)
Mit Texten zu Peter Brötzmann von Thomas Millroth, John Corbett, Markus Müller, Sotiris Kontos, Stephen O´Malley, Heather Leigh, Karl Lippegaus.

Die Kunst von Brötzmann, die visuelle Kunst, ist die Art von Kunst, die er immer und überall machen kann. Es geht darum, etwas zu finden, das verloren war, und wenn er es gefunden hat, kombiniert er es einfach neu zu dem, was seine Kunst wird. Ganz einfach. Aber vielleicht gaukelt er uns das auch vor. Was klar zu sehen ist, ist, dass er drei Buntstifte und ein weggeworfenes Stück Papier nehmen kann, Papier, das immer um uns herum ist, und dann, in scheinbaren Nanosekunden, eine lebendige Darstellung von etwas skizziert, das oft mit „Zuhause“ (eine Tasse, ein Haus, ein Tablett) und/oder „Weg“ (ein Schiff, eine Landschaft) assoziiert werden kann. Und diese kleinen, aber primären Eingriffe lassen uns die Dinge sehen, die wir normalerweise nicht sehen, die Möglichkeiten, die wir so oft verwerfen und zurücklassen, während wir einfach weitergehen, vorbeigehen, weitergehen.

Markus Müller


Ein paar Musiktipps…

Das ist im Übrigen meine Bandcampnummer 300 … Ndabo Zulu & Umgidi Ensemble Johannesburg, South Africa!

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