„Der Weltraum – unendliche Weiten“ heißt es in den 1960er Jahren im Vorspann der berühmten Science-Fiction-Fernsehserie „Raumschiff Enterprise“. Auf der Suche nach neuen Erkenntnissen entdeckt die Crew um Captain Kirk und Wissenschaftsoffizier Spock im grenzenlosen Universum viele skurril-fantastische Lebensformen und erstaunliche „Natur“-Phänomene. Und die zeitgenössische Musik des 20. Jahrhunderts begibt sich ihrerseits auf kosmische Abenteuer.

Mit Stefan Fricke

1957 schickt die UdSSR den ersten künstlichen Erdtrabanten in den Weltraum und im selben Jahr mit dem Raumflugkörper „Sputnik 2“ auch die Hündin Laika, die während der Reise stirbt. 1958 zieht die USA nach und bringt ins All die Satelliten „Explorer 1“ und „Vanguard 1“, der als ältester „Kunstmond“ weiterhin um die Erde kreist. Der astronomische Wettbewerb der Supermächte ist eröffnet. Mit Kosmonauten und Astronauten erkunden sie fortan das All; manche von ihnen landen gar zwischen 1969 und 1972 auf dem Mond. Mittlerweile tummeln sich weitere Staaten im Weltraum, und manche von ihnen unterhalten seit 1998 im Erdorbit die International Space Station (ISS). Die Lust am Weltall kennt seit Jahrhunderten auch die Kunst. Die Literatur besingt lyrisch den Mond als romantische Metapher und die Sonne als Symbol des Wissens, des Glaubens, der Macht. Und nicht nur das. Viele Erzählungen handeln von erfundenen, nur mittels Wörter möglichen Unternehmungen in Raum und Zeit. Auch die Musik – von Joseph Haydn über Gustav Holst, Karlheinz Stockhausen, John Cage und Peter Eötvös bis zur jüngsten Komponist*innen-Generation – mag den Kosmos. Das Universum, astronomisch und/oder astrologisch, hinterlässt in der Tonkunst, vor allem in der Musik des 20./21. Jahrhunderts verschiedenste klingende Spuren, spannend-abenteuerliche zumal.

Peter Eötvös (*1944): „Kosmos“ (1961/1999). Version für zwei Klaviere
GrauSchumacher Piano Duo
(Studioaufnahme des WDR, Klaus-von-Bismarck-Saal im Funkhaus Köln, 3. Oktober 2002)

Karlheinz Stockhausen (1928-2007): „Tierkreis. 12 Melodien der Sternzeichen“ (1975)
Version für Orgel
Dominik Susteck, Orgel
(Aufnahme vom Festival „orgel-mixturen“ in der Kunst-Station Sankt Peter Köln durch den Deutschlandfunk am 30. September 2008)

George Crumb (*1929): „Celestial Mechanics“ (1979). Kosmische Tänze für verstärktes Klavier zu vier Händen
Peter Degenhardt und Fuat Kent, Klavier
Jovita Zaehl, assistierender Spieler
(Aufnahme: Akademie der Schönen Künste, München, durch den Bayerischen Rundfunk am 5. Juni 2002)

Alan Hovhaness (1911-2000): Sinfonie Nr. 48 „Vision of Andromeda“, op. 355 (1982) für Orchester
Eastern Music Festival Orchestra
Gerard Schwarz, Leitung
(Aufnahme vom Eastern Music Festival, Greensboro, North Carolina, Juli 2013)

Roberto Gerhard (1896-1970): „Leo“ (1969) für Ensemble
Collegium Novum Zürich
Peter Hirsch, Leitung
(Aufnahme: Radiostudio Zürich, durch Radio SRF 2 Kultur am 12. Dezember 2009)

Tarik O’Regan (*1978): „A Celestical Map oft he Sky“ (2014) für Chor und Orchester
The Manchester Grammar School Choir
Hallé Youth Choir
Hallé Orchestra
Sir Mark Elder, Leitung
(Aufnahme: Hallé St. Peter’s, Ancoats, Manchester, Juli 2015)

Krzysztof Penderecki (1933-2020): „Kosmogonia“ (1970) für Solostimmen, Chor und Orchester
Stefania Woytowicz, Sopran
Zdzislaw Nikodem, Tenor
Andrzej Malinowski, Bass
Rundfunkchor Leipzig
Rundfunk-Sinfonieorchester Leipzig
Horst Neumann, Leitung
(Aufnahme: Kongresshalle Leipzig am 29. April 1974)

© HR 2, Konzertsaal, 11.6.2020

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