Louis Malle und Miles Davis („Fahrstuhl zum Schafott“), Roger Vadim und Thelonious Monk („Gefährliche Liebschaften“), David Cronenberg und Ornette Coleman („The Naked Lunch“) – klassische Paarbildungen der etwas anderen Filmmusik, allerdings mittlerweile schon etwas, ähem, dated.

Mit Ulrich Kriest

In jüngster Zeit ist der Trend zu beobachten, dass Filmproduktionen die Besorgung einer individuellen Filmmusik gerne in die Hände kreativer Grenzgänger aus der Popmusik, der elektronischen und/oder improvisierten Musik oder auch der sogenannten Neo-Klassik geben. Dies gilt nicht mehr nur für die allzeit beliebten Neuvertonungen klassischer Stummfilme, sondern auch für experimentelles und Arthouse-Kino, für Animationen, Dokumentarfilme und durchaus auch für Blockbuster. Zu reden wäre hier unter anderen von Cliff Martinez, Johnny Greenwood, Jóhann Jóhannsson, Max Richter, Nicholas Britell, Ryuichi Sakamoto & alva noto, Ulrike Haage, Nils Frahm, Peter Scherer oder auch The Notwist. Für die Musiker ist die Arbeit einerseits ein gut budgetiertes und herausforderndes Experimentierfeld, um in einem professionellen Umfeld zu arbeiten und vielleicht auch einmal ein größeres Publikum zu erreichen. Andererseits behaupten Filmmusiken in zunehmendem Maße auch eine Autonomie gegenüber den Bilderwelten, für die sie produziert wurden. Wie bei den oben angeführten Klassikern handelt es sich um ambitionierte, konzeptionelle, dramaturgisch überzeugende Arbeiten, die eigenständig innerhalb einer Diskografie bestehen können.

 

 

© SWR 2, NOWJazz Update, 27.4.2018

 

Tracklist:

Toru Takemitsu:
Woman In The Dunes/CD: The Film Music Of Toru Takemitsu
ohne Angabe

Field Recording:
Dawn Of Boonmee/CD: Metaphors
Chalermrat Chatametikool (remixed by Akaritchalerm Kalayanamitr)

Jean-Luc Godard:
Nouvelle Vague/gleichnamige CD
V. A.

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