Frei nach Textmotiven von Peter Sinfield und Juna Robin sowie nach Zitaten von Albert Hofmann, J. A. Baker und Peter Pannke nebst Textauszügen von „Concept Plan 8888-11 ‚COUNTER-ZOMBIE DOMINANCE’“ des Headquarters United States Strategic Command.

 

Das SWR Hörspiel und die SWR Neue Musik haben 2017 erneut eine Koproduktion für die international renommierten Donaueschinger Musiktage verabredet, die die kreativen Überschneidungen von Hörspiel und Klangkunst ausloten soll. Arbeitsgrundlage ist, dass der künstlerische Arbeitsprozess sich mit demselben Material und Thema in verschiedenen Kontexten auseinandersetzt.

Materialästhetisch können Klangkunst und Hörspiel auf denselben Füßen stehen. Produktions- und rezeptions-ästhetisch nicht. Die Komposition folgt hier den Parametern öffentlicher Raum, Performance und bildende Kunst, dort einer Stückdramaturgie, einem fixierten Lautsprechersystem als Radio- oder High End-Ereignis und der abgeschlossenen Imagination der Rezipienten. Das Gleiche ist nicht dasselbe.

Thema der beiden Arbeiten ist der „Summer of Love“ in San Francisco von 1977. Proteste gegen den Vietnamkrieg liefen parallel zur Hinterfragung der Kategorien von Realität und Bewusstsein, Raum und Zeit. Die psychedelische Popkultur, von LSD-Guru Hofmann oder King Crimson, spiegelt sich heute in den Wirklichkeitsentwürfen des Silicon Valleys. Enlightment, shadow and night. Oder „Sol y sombra“, die „Sonne und Schatten“-Ausweisung der Sitzplatzregion in der Stierkampfarena, in der man dem ritualisierten Kampf auf Leben und Tod kathartisch beiwohnt.

Werner Cee überführt das Material und die Mixes in die Kulturlandschaft des Donaueschinger Parks und in eine sich expandierende Topografie der akustischen Ereignisse. Klang reagiert mit und auf Natur und wird zur Komposition. Die Struktur von Anfang und Ende ist offen, ist Effekt der (inszenierten) Wanderung von Modul zu Modul. Das Hörstück hingegen verdichtet suggestiv die Klangereignisse über komplexe Kompositionsstrukturen, die durch das semantische Material zu einer Erzählung führen, einer Geschichte mit Anfang und Ende.

 

„Sol y Sombra“ Hörstück von Werner Cee

Mit:
Neville Tranter: Sprecher
Celia Bryce: Gesang
Eivind Aarset : E-Guitar/Electronics
Erland Dahlen: Percussion
Werner Cee: E-Chin/Bass
Musik: Cover-Version von King Crimsons „Talk to the Wind“
Mischung, Komposition und Realisation: Werner Cee

(Produktion: Südwestrundfunk in Kooperation mit Deutschlandradio 2017)

Werner Cee, geboren 1953 in Friedberg/Hessen, Studium der bildenden Kunst an der Frankfurter Kunsthochschule Städel. Für seine mehr als 30 Produktionen für Hörfunkanstalten der ARD erhielt er zahlreiche nationale wie internationale Preise: u. a. Prix Italia 2010, Deutscher Klangkunst-Preis 2012.

 

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