„Seltsames mit magischen Kräften“ Wiederentdeckung von Walter Smetak

Die neu aufgelegten Alben des brasilianisch-schweizerischen Komponisten Walter Smetak offenbaren einen singulären Klangkosmos. Von Diedrich Diederichsen.

Vier Männer bevölkern in leicht verdrehten Posen das schwarzweiße Querformat. Das längliche Objekt, das sie in Bisshöhe halten, reicht links über den Bildrand hinaus. Ein Endlosbaguette auf einer angeheiterten Campusparty? Nein, es ist eine Riesenflöte und der verschwitzte Krankenkassenbrillenträger mit der Rock-’n’-Roll-Frisur, rechts im Bild, hat sie erbaut und mit seinen Studierenden immer wieder ausprobiert.

Es ist Walter Smetak, ein schweizerisch-brasilianischer Komponist, Bratschist und Esoteriker, der mehrere Hundert Instrumente erfunden und zusammengebastelt hat: Von Varianten europäischer Streichinstrumente, über bizarre Plastikschlauch-Free-Jazz-Spaßmaschinen bis zu anthropomorphen, schneemannähnlichen Skulpturen mit Augen aus Kalebassen, die man als Gott, Klangquelle oder Mahnmal hat benutzen können.

Dank des DAAD waren einige von ihnen 2017 mal in Berlin zu sehen. Ein erstes Mal war Smetak 1982 in der Stadt, kurz vor seinem Tod. Danach hat sein Schüler Tuzé do Abreu immer mal wieder bei Berliner Festivals Leute in Smetaks Musik eingeführt. Aber solcher Einführungen bedarf es auch, denn an dem Werk dieses Mannes ist nichts naheliegend und nichts erklärt sich von selbst.




© TAZ, Kultur, Musik, 1.4.2021

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