„Round About Monk“ Zum 100. Geburtstag des Jazz-Genies Thelonious Monk

Thelonious Monk gilt neben Duke Ellington als der bedeutendste und einflussreichste Komponist der improvisierten Musik. Er war Jazz-Revolutionär, Piano-Innovator und Mitbegründer des Modern Jazz in einem. Das Besondere an Monks Werk: die ungeheure Breite seiner Wirkung.

Mit Günther Huesmann

„Ich hatte regelrecht eine Phobie vor Bildern, die etwas schief hingen“, erzählte Nellie, die Frau von Thelonious Monk, der ihr eine seiner schönsten Balladen gewidmet hat („Crepuscule With Nellie“). „Thelonious hat mich geheilt. Er nagelte eine Uhr leicht angewinkelt an die Wand, gerade genug, um mich wütend zu machen. Am Ende habe ich mich daran gewöhnt. Jetzt kann alles in jedem Winkel hängen, und es stört mich überhaupt nicht.“

Vater der Avantgarde

Besonders in der Musik machte Monk alles auf seine persönliche Weise. In den New Yorker Jam Sessions von Minton’s Playhouse wurde der Pianist und Komponist in den 1940er Jahren zu einem Architekten des Modern Jazz. Er mochte keine neuen Dinge. Trotzdem wurde er ein Vater der Avantgarde. Die Weigerung sich musikalischen Konventionen zu beugen, steckt in seiner Musik genauso wie der Wille, unbändig zu swingen und zu grooven.

Meistgespielter Komponist der Jazz

Lange Zeit blieb er unverstanden. Vom „Mad Monk“ war die Rede, er solle aufhören „diese chinesischen Akkorde“ zu spielen, forderten ihn Mitmusiker auf. Noch Anfang der 1950er Jahre galt Monk als ein zwar passabler Komponist, aber als technisch limitierter Pianist. Dann aber begann ein beispielloser Aufstieg. Zunächst beim Publikum. 1961 schaffte er es auf das Titelblatt des „Time“-Magazins. Die US-Post kreierte 1994 eine Briefmarke mit seinem Konterfei. Heute ist Monk der meistgespielte Komponist des Jazz. Und seine Wirkung strahlt weit über den Bereich seines Genres hinaus. Rock-, Pop- und Tangomusiker interpretieren heute seine Stücke. Klassische Komponisten widmen ihm ihre Werke.

Sechsstündige Geburtstagsfeier in SWR2

Am Tag seines 100. Geburtstages feiern wir Thelonious Monk mit seinen größten Aufnahmen, darunter Diamanten aus dem SWR-Archiv wie das seltene Konzert in Essen 1961 und die erst kürzlich wiederentdeckten, sensationellen Aufnahmen zum Nouvelle-Vague-Film „Les Liaisons Dangereuses“ von Roger Vadim.

© SWR 2, 10.10.2017

Danke, das Du meinen Beitrag kommentieren möchtest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.