„Riot“ Hörstück von Christoph Korn unter Verwendung von Friedrich Engels‘ „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“, Denis Diderots „Encyclopédie“ und Textfragmenten aus Frantz Fanons „Die Verdammten der Erde“

Das Hörstück „RIOT“ ist keine akustische Rekonstruktion der revolutionären Ereignisse des Jahres 1849 in „Wupper-Tal“ Elberfeld und Barmen. Eine Collage unterschiedlichster Elemente setzt die Engels-Texte über das Proletariat von Manchester in Korrespondenz zu den Elberfelder Ereignissen, versucht sie aus ihrem historischen Korsett zu befreien und für eine heutige Rezeption zu öffnen.

„Arbeiter! Dir widme ich dieses Werk … Euer Erfolg ist gewiss, und jeder einzelne Schritt vorwärts auf dem Weg, den ihr zu gehen habt, wird unsrer gemeinsamen Sache dienen, der Sache der Menschheit!“

An das deutsche Proletariat richtete Friedrich Engels pathetisch sein Vorwort in den Schriften, die über die „Lage der arbeitenden Klasse in England“ informieren sollen. Seine Texte enthalten statistische Erhebungen, Reflexionen, vor allem aber eindringliche literarische Beschreibungen der Lebenssituationen der damals Ausgebeuteten. Der 25-jährige Engels schrieb diese Zeilen 1845 im Hause seines Vaters, der Textilfabrikant in Barmen war. Vier Jahre später ist Engels dort, im Wupper-Tal, einer der Anführer des „Elberfelder Aufstands“.

„Die Collage realisiert sich über Erzählformen wie Popsong, literarischer Text, Gedicht, O-Ton, Archivdokument. Und Kompositionen aus Klängen alter Elberfelder Arbeitswerkzeuge (z. B. von Webstühlen). Historische Metaphern, Geschichten aus der frühen Klassengesellschaft und Klänge aus dem frühen Industriezeitalter verknüpfen sich zu einem zeitgenössisch arrangierten Hohelied, das dem Aufstand gewidmet ist, dem revolutionären Akt, der die Zeit anhält. Mitunter mag es um das Aufscheinen dessen gehen, was im utopischen Kern des Aufstands, und dort, wo er sich verschwistert mit der Liebe zum Schwachen (pauper), sich immer mit zu artikulieren vermag: etwas, so Ernst Bloch, ›was für sich selber spricht, indem es noch schweigt‹.“ Christoph Korn

 

 

„Riot“ Hörstück von Christoph Korn

unter Verwendung von Friedrich Engels‘ „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“, Denis Diderots „Encyclopédie“ und Textfragmenten aus Frantz Fanons „Die Verdammten der Erde“

Mitarbeit: Stefan Ettlinger und Katharina Mayer
Musik: Christoph Korn und Stefan Ettlinger
Realisation: Christoph Korn
(Produktion: SWR 2018, gefördert durch die Film- und Medienstiftung NRW und mit freundlicher Unterstützung des Bandwirkermuseums des Ronsdorfer Heimat- und Bürgervereins)

Christoph Korn, geboren 1965 in Frankfurt a. M., lebt als Audio- und Medienkünstler in Düsseldorf. Zahlreiche seiner Arbeiten, die sich im Grenzbereich von Musik, Performance, Installation und Hörspiel bewegen, wurden von ARD-Rundfunkanstalten produziert. Zuletzt realisierte er für SWR2 die Radio- und Webprojekte „Eingedenken.de“ (2014) und „Kairos-net.org“ (2017). Seine intermediale Hörspielarbeit „Waldstueck“ wurde beim Prix Ars Electronica ausgezeichnet.

© SWR 2, Hörspiel, 26.4.2018

Eine Antwort von ...

  1. Ich kenne Christoph Korn als Mitglied des Trios Blank, zu dem auch Rüdiger Carl und Oliver Augst gehörten (www.augst-carl-korn.de). Das Hörspiel fängt ja schon sehr technoid an, mal hören, ob ich das aushalte…

Danke, das Du meinen Beitrag kommentieren möchtest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.