Rhiannon Giddens „Die Banjo-Lady schüttelt am Baum“ von Jan Wiele

Rhiannon Giddens singt uramerikanische Trauer- und Trostlieder. In ihrem neuen Album „They’re Calling Me Home“ knüpft sie vielschichtig an die Wurzeln amerikanischer Musiktradition an.

Wie charakterisiert man Rhiannon Giddens musikalisch? Das tut sie am besten selbst: „I am the banjo lady“, sagte sie jüngst bei einer digitalen Podiumsdiskussion über „Jazz and Race“ mit der Bürgerrechtlerin Angela Davis und anderen.

Es wurde im Lockdown aufgenommen, unter dem Eindruck der Verheerungen der Pandemie, und geht mit Traditionals wie „O Death“, einem gesungenen Dialog zwischen einem Sünder und dem Tod, oder dem Titelstück „They’re Calling Me Home“ darauf ein. Giddens’ Musik- und Lebenspartner Francesco Turrisi, selbst versiert an verschiedenen Saiteninstrumenten und Trommeln, gibt dem Album zusammen mit dem kongolesischen Gitarristen Niwel Tsumbu eine Weltmusik-Dimension, zum Glück aber so spärlich angedeutet, dass sie nicht zu stark wird. In „I Shall Not Be Moved“, das durch viele Interpretationen mittlerweile zwischen Sklaven-, Gewerkschafts-, Bürgerrechts- und Kirchenlied changiert, legt Rhiannon Giddens eine solche Inbrunst in ihre Stimme, dass von allem etwas darin zu sein scheint. Und bei „O Death“ steigert sie sich noch so, dass man eine Mischung aus Mahalia Jackson und Harry Belafonte zu hören glaubt.

© FAZ, Kultur, Musik, 12.4.2021

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