Hier ein paar Highlights aus der Masse der Neuveröffentlichungen, von denen es gegen Ende eines Jahres immer mehr werden und meine Zeit nicht mehr wird …


Ballrog – Rolling Ball / Clean Feed

Ballrog, das ist ein norwegisches Trio. Klaus Ellerhusen Holm an den Klarinetten, Roger Arntzen am Bass und neu dabei ist David Stackenäs an der Gitarre. Dazu schreibt Peter Margasak in den Liner Notes im übertragenen Sinne: David Stackenäs lebte die Musik von Ballrog schon lange bevor er 2017 Ivar Grydeland ersetzte. Dieser Wechsel wurde so harmonisch, als wäre er schon immer dabei gewessen.

So eine Musik hätte ich auf dem portugiesischen Label Clean Feed nie vermutet. Musik die, wie es Karl Lippegaus ausdrückte, in der Tradition eines Penguin Cafe Orchestra steht. Diese Nähe ist nicht abwegig. Sparsame Arrangements, wunderschöne Melodien und das alles mit einer Raffinese, das diese Musik auch noch beim 10. Hören nicht langweilig wird. Kleiner Tipp nebenbei. Clean Feed ist jetzt, endlich, auf Bandcamp vertreten und die neuen Produktionen sind mehr als hörenswert.


Adrian Corker – Tin Star Liverpool (Original Score) / SN Variations

Adrian Croker komponiert die Musik zu der TV Serie „Tin Star“ welche von Sky Atlantic produziert wird. Es ist wohl eine Art Neo-Western mit Tim Roth in der Hauptrolle. Das Bemerkenswerte ist das Orchester, das diese Musik eingespielt hat, und dass sie nicht die typische Filmmusik ist. Ganz und gar nicht.

„Ich habe eng mit Rowan Joffe und einigen der Regisseure an der Musik gearbeitet und hatte dabei freie Hand, so dass ich musikalische Ideen und Sprache einfließen lassen konnte, die in der Fernsehmusik nicht immer zu hören sind. Viele der Spieler kommen aus der Welt der neuen Musik, so dass ihnen eine Vielzahl von Techniken zur Verfügung steht… Es gehört zu den amüsanten Dingen bei Tin Star, dass niemand davor zurückschreckt, neue Dinge auszuprobieren und experimentell und ehrgeizig zu sein, und ich denke, das spiegelt sich in dem wider, was man schließlich sieht und hört.“

Adrian Croker

Tomoko Sauvage – Fischgeist / bohemian drips

„Der August gilt in Fernost als Geistermonat, zu dessen Ende das sogenannte Ullambana-Fest gefeiert wird. An den Küsten werden kleine Papierboote und Laternen zu Wasser gelassen, um die Geister nach ihrem Besuch im Diesseits wieder den Weg ins Jenseits zu weisen. Wie der Titel „Fischgeist“ schon sagt, spuken auch in der Musik von Tomoko Sauvage Gegenstände und Geräusche im Wasser, in der Elektrizität, im Raum umher.“

Julian Weber / TAZ

Was man mit Wasser gefüllten Schalen akustisch alles zaubern kann, das kann man bei Tomoko Sauvage sehr überzeugend hören. Auch hier handelt es sich um die erweiterte Erfahrung des Hörens, wie z.B. bei Vilde&Inga. „Fischgeist“ nennt sich diese Veröffentlichung. Die Assoziationen, die diese Musik hervorrufen, können vielfältig sein. Vielleicht eine Beschwörung der Fischgeister. Kreise im Wasser oder Reis, es genügen wenig Mittel um erstaunliche Klänge zu kreieren. „Faszinierend“, wie Spock zu sagen pflegte.


PARKEN – Live in the Park

PARKEN Das Wiener Festival für experimentelle Musik im öffentlichen Raum eröffnete diese getrübte Saison mit einem neuen Projekt. Mitschnitte von 2019 und 2020 wurden jetzt nacheinander veröffentlicht.

Was da im Sigmund Freud Park in Wien so alles an DJs auflegte ist es wert gehört zu werden.
Das kann ich mir hier vor Ort nicht vorstellen. Man würde wohl die Polizei holen 😉
Mein Highlights ist Chra (Christina Nemec) und Philip Jeck. Aber, da gibt es noch mehr zu entdecken….

„Nachdenklich und bedächtig klingt sein Schlussset wie eine Nacht unter den Sternen, eine Welt, in der COVID nie einschlug, eine Erinnerung an unsere Träume und Ideale. Es ist der perfekte Abschluss einer seltsamen, unzusammenhängenden Saison, in der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verflochten sind und Vinyl unsere Hoffnungen wie die Jahresringe eines Baumes einfängt.

Richard Allen / A Closer Listen

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