3 Veröffentlichungen, die zeitlich relativ zusammenhängend erschienen sind, das ist eher selten in der Diskographie von David Toop. Sie geben einen sehr guten Überblick über seine fasziniernde Musik- und Klangwelt.

„Fieldrecordings and Fox Spirits (Room40)“ das sind Fieldrecordings aus David Toops Archiven, beginnend ab dem Jahr 1970! Voll von obscuren Sounds und Fundstücken. So hören wir u.a. Ornette Coleman und Derek Bailey im Gespräch mit David Toop, Ausschnitte aus Konzerten, ein Tableau, das von chinesischen Geistergeschichten inspiriert ist, einer blinden Straßengruppe in Chiang Mai und viele andere skurille Tonstücke, die David auf seinen vielen Reisen mitgeschnitten hat. Er zählt überhaupt zu den ersten Musikern die mit Fieldrecordings arbeiteten. Lawrence English kuratierte die 30minütige Collage: Fox Spirits.
Leider ist in der digitalen Variante das 40-seitige Heft nicht mir dabei.

„Apparition Paintings (Room40)“
Dazu schreibt David Toop selbst:
Frag mich nicht nach Genre oder … Wen interessiert das schon? Die eine Hälfte der Welt ertrinkt, die andere Hälfte steht in Flammen. Jede Geschichte ist ein Tier; eine Pflanze; etwas, das man trinkt; eine Oberfläche, die man berührt; eine schwache Linie; eine Erinnerung, die aus einem Karton kommt. „‚Dinge‘ sind selbst nur Geschehnisse, die für kurze Zeit monoton ablaufen“, schrieb Carlo Rovelli in „Die Ordnung der Zeit“. Vielleicht schmelzen Klänge die ‚Dinge‘, müde vom monotonen Realen.

Der Titel „Apparition Paintings“ bezieht sich auf einen Malstil Chinas aus dem 12. und 13. Jahrhundert.
In diesen Werken, die oft mit den Lehren von Chan (Zen) in Verbindung gebracht werden, war die zur Darstellung des Themas verwendete Tinte außergewöhnlich blass, und der Hintergrund fehlte in allen Einzelheiten. Wie Yukio Lippit geschrieben hat: „Diese Kombination führt zu bemerkenswert selbstzersetzenden Bildern, die irgendwie ihre eigene Sichtbarkeit beeinträchtigen. Die Erscheinungsmalerei scheint ihre Motive mitten im Verblassen einzufangen, als ob es gelingt, nur ein schwach durchscheinendes Nachbild einer vergangenen Entität zu bewahren.“
Das Verfahren ähnelt dem Aquarell, wo Farbe, Wasser und der Hintergrund eine Verbindung eingehen, die so flüchtig wie undefinierbar ist.

In einem Interview mit headphonecommute spricht er von seinem Selbstverständnis als Designer von Musik, er sei weniger ein Musiker. Es ist seine Neugier die ihn treibt, mit dem Mikro und Aufnahmegerät durch die Gegend zu ziehen, die Ohren weit offen. Überhaupt ist dieses Interview das die headphonecommute veröffentlicht hat sehr wichtig, um seine Arbeitsweise zu verstehen. Er versteht sich mehr als ein Entdecker und ein Erfinder, dessen Ideen oft durch Einflüsse aus Literatur oder Filmen enstehen.

Nicht zu vergessen die Veröffentlichung von David Toop und AVSLUTA: „On White, Indigo And Lamp Black“ für Cafe OTO.

Für mich liegt die Faszination von Davids Musik in den Freiräumen, dem Undefinierbaren und nicht Erfassbaren. In seiner Offenheit für alles was Klang ist, ähnlich der Auffassung von John Cage. Etwas das heute in Gefahr gerät, weil alles einen Namen, eine Einordnung braucht. Es sind Exkursionen wie durch ein Kaleidoskop, wo immer wieder neue Facetten auftauchen, die dann verschwinden um wieder anders zu erscheinen.

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