Release Tipp: Trondheim Voices – Folklore Composed by Ståle Storløkken and Helge Sten / Hubro

Sehr gespannt war ich auf das Zusammentreffen der Trondheim Voices mit Helge Sten und Ståle Storløkken. Die Vokalgruppe Trondheim Voices ist für ihre Improvisationsfreude und Offenheit für Experimente weit über die Grenzen von Norwegen bekannt. Mit Helge Sten und Stale Storlokken sind die wichtigsten Musikerpersönlichkeiten Norwegens mit dabei.

Entstanden aus einem 2018 erteilten Kompositionsauftrag an Sten und Storløkken für Trondheim Voices, hat „Folklore“ mehr mit der Gegenwart zu tun als mit der unspezifischen historischen Vergangenheit, die so oft mit „Folk“-Formen assoziiert wird. Wie in Ari Astars halluzinogenem Folk-Horrorfilm „Midsummar“ aus dem Jahr 2019 gibt es eine anhaltende Beschäftigung mit Ritual und Magie, die in Songtiteln wie „Chant For The Multipresence“, „Facing the Outerworld“ und „All Stand, Head Erect, Eyes Open“ und der emphatischen, wortlosen Intonation des Ensembles deutlich wird.

Helge Sten (geb. 1971, auch bekannt als Deathprod) ist ein Komponist, Musiker und Produzent, der über drei Jahrzehnte zur vielleicht einflussreichsten Figur der zeitgenössischen norwegischen Musikszene geworden ist. Er ist Gründungsmitglied der Gruppe Supersilent und eine feste Größe bei den Labels Hubro, Smalltown Supersound und Rune Grammofon. Er hat für das Ensemble Modern komponiert, unter anderem mit Biosphere zusammengearbeitet und viele der neuen experimentellen Künstler Norwegens produziert.
Ståle Storløkken (geb. 1969) ist eine der produktivsten und vielseitigsten Persönlichkeiten des norwegischen Jazz und der experimentellen Musik, mit einer Aufnahmekarriere, die bis ins Jahr 1991 zurückreicht. Er hat langjährige musikalische Beziehungen zu einer Vielzahl von Künstlern, von Terje Rypdal und Arve Henriksen bis zu den Bands Supersilent, Motorpsycho und Elephant9.

„Die Kompositionen auf dem Album sind nicht von Folk-Themen abgeleitet, auch wenn es unvermeidlich scheint, diese Ideen ohne einen gewissen Bezug zur Volksmusik und -kultur zu erforschen. Wir haben außerdem durchgehend mit Vierteltönen gearbeitet, was der Welt der Volksmusik näher ist als die chromatische Zwölfton-Skala, und wir haben einen Satz mikrotonaler Handglocken verwendet. Ein weiterer interessanter Aspekt bei der Wahl der folkloristischen Traditionen als Basis für unsere Arbeit war, dass dadurch einige der Technologien, die wir anfangs abgelehnt hatten, langsam wieder eingeführt wurden und dazu beitrugen, das gesamte Stück viel integrierter zu gestalten, als wir es erwartet hatten.“

Helge Sten

„Die ursprüngliche Idee war, stark mit digitaler Klangbearbeitungstechnologie zu arbeiten und sich dabei auf die menschliche Stimme zu konzentrieren, aber bevor wir mit der Arbeit begannen, nahm eine fast entgegengesetzte Idee Gestalt an: Da wir als Komponisten und Interpreten viel mit Technologie arbeiten, schien es uns faszinierender, Ideen in Richtung kruder und primitiver Folkloretraditionen zu erforschen, in denen die menschliche Stimme schon immer eine zentrale Rolle in Sprache und Musik gespielt hat. Diese Traditionen verbinden oft Natur, Gesellschaft, Rituale und das Esoterische zu einer kraftvollen Bildsprache, die in der heutigen technologiegesteuerten Gesellschaft oft fehlt.“

Helge Sten
Foto: Aslak Gurholt

Erstmals zu hören war diese Zusammenarbeit auf dem Punkt Festival 2019 (wo auch sonst ;)), Richard Williams schreibt über dieses Konzert:
„Neue Ideen über die Kapazität der menschlichen Stimme lieferten die neun Frauen der Trondheim Voices, die „Folklore“ sangen, eine einstündige Komposition von Sten und Storløkken. Mikrotonale Cluster glitten und schwankten zu einem aufregenden Effekt, und Natali Abrahamson Garner, das jüngste Mitglied dieser außergewöhnlichen Gruppe, trat mit einer Solopassage aus dem Ensemble hervor, in der sie in atemberaubender Weise von glottalen Manipulationen Gebrauch machte. Etwa 40 Minuten lang erreichten sie eine transzendente Schönheit… „

„Traditionelle Bräuche, Geschichten, Sprüche, Tänze oder Kunstformen, die sich bei einem Volk erhalten haben“ So steht es im Untertitel. 50 Minuten lang hören wir etwas, das wie Folklore klingt, es aber nicht ist. Man kann sie mithören, diese imaginäre „Folklore“. Es ist spannend zu hören wie Helge Sten und Ståle Storløkken dieses Thema verhandeln und wie die Trondheim Voices dieses zum Klingen bringen.
Ich war beim Hören sehr gefangen von ihrem Singen, ihrer Ausdruckskraft und der wirklich bemerkenswerten Technik. Ich denke mir einen großen Raum, es muss auch keine Kirche sein, um dort diese Stimmen zu hören, Zeit zu haben und mich mitnehmen zu lassen. Eine große und bemerkenswerte Inspiration.

released Januar 8, 2021

Composed by Ståle Storløkken and Helge Sten

Trondheim Voices: voices & percussion:
Sissel Vera Pettersen (artistic director)
Anita Kaasbøll
Tone Åse
Ingrid Lode
Torunn Sævik
Kari Eskild Havenstrøm
Heidi Skjerve
Siri Gjære
Natali Abrahamsen Garner

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